20 gute Minuten und dann brach alles zusammen

Eigentlich hätte die Überschrift bei diesem Beitrag: „Derbysieg“ lauten sollen. Doch der FCI hat gestern den vorläufigen negativen Höhepunkt dieser Saison abgeliefert. Ausgerechnet im wichtigen Derby gegen den Jahn Regensburg verlor der FCI mit 2:4. Die aktuellen Leistungen der Schanzer sind besorgniserregend. Die Spielweise der Schanzer nicht zweitligawürdig, die Reaktion nachdem Rückständen einfach unzureichend. 20 gute Minuten reichen eben nicht um in der zweiten Liga zu bestehen.

„…Ich hatte keine großen Erwartungen an diese Partie…“

Der FCI lässt aktuell auch fast alles vermissen um in dieser Liga bestehen zu können. Zu Beginn der Partie begaben sich meine Freundin und ich auf unsere Plätze im Block X. Ich freute mich, sie auch. Meine Freundin sagte vor dem Spiel: „Schön wieder hier zu sein.“ Verpassten wir doch die ersten beiden Spiele aufgrund unseres Urlaubs. Doch bereits nachdem Sandhausen-Spiel kostete mich der FCI über hunderte Kilometer entfernt bereits massiv Nerven. Es sollte auch an diesem Sonntag so sein.

„…Überraschend kam da der Führungstreffer der Gäste nicht..“

Ich hatte keine großen Erwartungen an diese Partie. Die Erwartung war lediglich dass sich die Mannschaft voll reinhaut, in die Zweikämpfe geht und am Ende die Partie gewinnt. Wie das Team das Spiel gewinnt war mir herzlich egal. Ich bin ein ergebnisorientierter Mensch. Gleich zu Beginn schwante mir nichts Gutes. Der Jahn präsentierte sich von Anfang an bissiger. Offensiv fand der FCI nur durch lange Bälle statt. Ein Stilmittel das eigentlich nur rausgeholt wird, wenn man selbst tief in die Hälfte gedrückt wird. Die langen Hafer spielte der FCI auch bereits vergangene Saison. Zeitweise funktioniert das auch. Doch irgendwann durchschaut dass die gegnerische Abwehr. Das war auch gegen Regensburg so. Einzig Paulo Otavio rannte und ackerte. Doch richtig Erfolg hatte er nicht. Er wurde vielfach von Regensburgs Defensive ausgebremst. Die rechte Flügelseite mit Lex und Colak war komplett vom Spielbetrieb abgemeldet. Das Spiel der Schanzer lief ausschließlich über links. War der FCI mal vor dem Tor wurde der Ball nochmal quergespielt, als dass man schoss. Ganz nachdem Prinzip: „Nimm du, ich hab schon.“ Überraschend kam da der Führungstreffer der Gäste nicht. Bregerie und Wahl waren nicht im Stande einzugreifen, als ein langer Ball kam und dann stand es 1:0. Auch weil Torhüter Hansen völlig unsinnig aus dem Tor stürmte. Was er draußen machte, wusste keiner. Aber wusste dass der Jahn führte. Mit Pfiffen und einem „Wir wollen euch kämpfen sehen“ von der Süd ging es in die Kabine.

„…Und wieder einmal fand Pledl keine Berücksichtigung…“

Aus der Kabine kamen dann die Schanzer wie Taranteln. Auf einmal wurde kombiniert, schnell und zielstrebig nach vorne gespielt. Auf einmal stand es 1:1. Lezcano wollte für Colak servieren, doch der Ball sprang nach einer Abwehr eines Jahn-Akteurs zu Kittel, der abstaubte. Nur fünf Minuten später nickte Matip, Kittels Freistoß, wie in seinen besten Zeiten in den Kasten. Der Jubel war grenzenlos? Sollte dieses Derby jetzt endlich die Richtung nehmen die sich alle wünschten? Die Schanzer hatten danach noch zwei – drei sehr gute Chancen zum 3:1 zu treffen.

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Traf zum 2:1: Spielführer Marvin Matip

 

Dann wäre die Partie wahrscheinlich durch gewesen. Doch der Jahn war angestachelt. Ein Lattentreffer leitete die Aufholjagd ein. Danach zweimal fast das gleiche Tor. Flanke, Kopfball, Tor. Die Ingolstädter Abwehr präsentierte sich die Statisten. Bregerie, der Abwehrrecke konnte die Flanke, die dann George einnickte, nicht abfangen. Trotz beachtlicher Körpergröße. Es stand 2:3. Die Schanzer Elf zeigte aber danach auch keine Reaktion. Wie begossene Pudel schlichen die Spieler dann in den Mittelkreis zum Anstoß. Danach, keine Reaktion. Kein aufbäumen. Eher Ratlosigkeit. Denn der Jahn machte es dann aber auch gut. Ging früh drauf, fing die möglichen Angriffe bereits am Mittelkreis ab. Der FCI fand nachdem 3:2 der Regensburger offensiv nicht mehr statt. Das 4:2 in der Nachspielzeit war dann nur noch das i-Tüpfelchen für den letztlich verdienten Derbysieg Regensburgs. Es ist das gleiche Ergebnis mit dem der Jahn das letzte Spiel in Ingolstadt verlor. Jetzt holten sie sich den Derbysieg zurück.

Was blieb war Enttäuschung. Und die Frage, gegen wen dieses Team mit solch einer Leistung punkten möchte? Gegen Regensburg fehlte so vieles. Auch dass drei Innenverteidiger in einer Dreierkette ist fragwürdig. Im Mittelfeld fehlt irgendwie ein Leader. Auch wenn Kittel arbeitete und für viel Gefahr sorgte (er war mit einem Tor und einer Vorlage Ingolstadts Bester), fehlt ein Führungsspieler. Der das Spiel ordnet. Im Mittelfeld und auch im Sturm hat Walpurgis noch nicht seine Stammelf gefunden. Und wieder einmal fand Pledl keine Berücksichtigung. Er kam auch nicht von der Bank. Was mir persönlich völlig unverständlich ist.

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Bester Ingolstädter gegen Regensburg: Sonny Kittel mit einem Tor und einer Vorlage. Alle Bilder: Roland Geier

 

Die Schanzer haben nun langsam ein gewaltiges Problem. Nach drei Spielen teilt sich der FCI mit Greuther Fürth die Rote Laterne der 2. Bundesliga. Ausgerechnet gegen jene Fürther geht es am Freitag zum richtigen Kellerduell. Und auch in der zweiten Pokalrunde im Oktober sieht man sich wieder. Natürlich auswärts.

„…Bereits jetzt wird eine Rhetorik an den Tag gelegt die sich nach Verzweiflung und Durchhalte-Parolen sich anhört…“

Es fehlen die Impulse, ein spielerisches Konzept. Und es stehen auch die Fragen im Raum warum ist Sandhausen in der Tabellenspitze zu finden? Der seit Jahren belächelte SVS macht Jahr für  Jahr demütig seinen Job. Überzeugt mit kämpferischen Leistungen und auch wie zuletzt beim 4:0 in Dresden mit tollen Offensivleistungen. Darmstadt hat einen viel größeren Umbruch hinter uns, als wir und ist  trotzdem bedeutend besser. Am Freitag fegten die „Lilien“ die Kiezkicker aus Hamburg mit 3:0 vom Platz.

Bereits jetzt wird eine Rhetorik an den Tag gelegt die sich nach Verzweiflung und Durchhalte-Parolen sich anhört. Spielführer Matip warnt und spricht von: „Wir wollen kein zweites Paderborn werden.“ Und Harald Gärtner sagte laut Kicker: „Das sind zu einfache Fehler und Gegentore, die wir bekommen. So kannst du in der 2. Bundesliga kein Spiel gewinnen. Die Spieler müssen erst einmal wissen, was in der 2. Liga gefordert wird und worauf es ankommt.“

Der Mannschaft sollte jetzt eigentlich schon klar sein, auf was es ankommt. Sehr lange hat das Team Zeit sich vorzubereiten auf die Eigenheiten dieser Liga. Eine Liga in der man mit Kampf weiterkommt als mit Spiel. Eine Liga in der jeden, jeden schlagen kann. Und einer Liga in der ein Aufsteiger Holstein Kiel seine Fans entzückt und keine Anlaufschwierigkeiten hat. Die Ingolstädter Fans erwarteten von Anfang keine Wunder von Team. Zwar träumten  viele vom Wiederaufstieg. Doch viele hatten eine reale Einschätzung über das Leistungsvermögen von Team und Liga. Doch jetzt wird langsam unruhig. Denn nicht mal die kämpferische Kompetente bringt die Truppe auf den Platz. Es mangelt in Summe an zu vielen um aktuell bestehen zu können.

„…Sonst wird die Luft in der Liga allmählich richtig dünn…“

Gegen Regensburg zeigte der FCI lediglich 20 Minuten zu was er im Stande ist. Danach brach das ganze Spielsystem zusammen. Von einer Trainerdiskussion ist noch keine Rede. Doch diese muss wohl bald geführt werden. Geht das Spiel in Fürth verloren, sind die Schanzer alleiniges Schlusslicht. Aus der letzten Runde sollte gelernt werden. Hier wurde auch zu lange gewartet bis die Reißleine gezogen wurde.

Paderborn, Ulm, Unterhaching die Liste ist durchaus lang mit dem Mannschaften die den Fahrstuhl runterfuhren. Der FCI hat jetzt die Möglichkeit endlich die Richtung zu korrigieren mit Leistungen und aufopferungsvollen Kampf. Sonst wird die Luft in der Liga allmählich richtig dünn. Und auch der Geduldsfaden der sonst so geduldigen Fans reißt. Die nächsten Gegner jedenfalls sind richtig unangenehme: Fürth und Aue. Beides Gegner gegen die sich der FCI erfahrungsgemäß immer schwer tat.

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