Gästeblock-Interview #FCIF95: „Der FCI wird sich ….wieder an Punktverluste gewöhnen müssen…“

Es ist wieder Gästeblock-Interview-Zeit. Dirk Fischer hat dieses Mal meine Fragen beantwortet. Ein interessantes Interview vor dem Spitzenspiel am Sonntag. Wenn das Spiel so gut wird wie das Interview, dann dürfen wir uns auf einen tollen Kick im Sportpark  freuen. Aber seht selbst.

„Fortuna zu lieben ist Verrat am schönen Fußball. Aber Fortuna nicht zu lieben ist Verrat an meinem Herzen“, sagt Dirk Fischer (48 Jahre) vom Nimmmichvolley Blog.

Der gebürtige Düsseldorfer hat nach eigener Aussage, zwei bis vier Kinder und ist so gut wie verlobt. 2017.05.14 07

 

Warum ihr seinen Blog lesen solltet? „Weil der Verein darin so gnadenlos verherrlicht wird, dass es mir fast schon selbst peinlich ist. Aber irgendeiner muss ja die Drecksarbeit machen.“

 

„…Jetzt spielt Fortuna endlich so, wie ich es mir all die Jahre gewünscht habe! Schnell, direkt, präzise, technisch stark. Mit Herz, Biss und Leidenschaft. Unglaublich sexy…“

 

Also Anstoß zum Gästeblock-Interview:

Am Sonntag tritt Fortuna Düsseldorf beim FCI an. Also ein „kleines“ Spitzenspiel, auch wenn beide Teams zehn Punkte trennen. Fortuna Düsseldorf ist seit dem vierten Spieltag (bis auf eine Ausnahme) Spitzenreiter in der Liga zwei. Hat man in Düsseldorf mit so einer erfolgreichen Saison gerechnet? Ich persönlich hatte die Fortuna nicht auf den Zettel beim Aufstiegsrennen. Was sind die Gründe für Aufschwung?

Ich verrate Euch mal ein Geheimnis: Nach vier Jahren im Vorhof zur Hölle und dem Beinahe-Abstieg im Frühsommer rechnete ich nicht damit, dass uns eine legendäre Spielzeit mit Bacardi-Feeling und Sambafussball bevorstehen könnte, sondern eher mit dem ewigen Zweiklang aus zu hoch angesetzten und dadurch nur umso mehr enttäuschten Erwartungen. Aber diese Bitterkeit ist mein persönliches Schicksal. Jedoch, da draußen, in der Düsseldorfer Wildnis, gab es sie, die unerschütterlichen Fortunafreunde, die garantiert mit einer erfolgreichen Saison gerechnet haben, allein aus dem Grund, weil diese Rot-Weiß-Liebhaber von Jahr zu Jahr mit der ultimativen Spielzeit rechnen. Ob wider besseren Wissens, aus zärtlicher Ironie oder mangels Intellek – niemand weiß das so genau. Ihr Reflex ging so: wenn der gemeine Fortune auf RP online die ersten Bilder der Vorbereitung durchscrollt und feststellt, dass sein Liebling Axel Bellinghausen auf jedem Foto mit verzerrten Gesicht und zur Seite geneigtem Kopf vorne weg marschiert, sieht er sich erneut bestätigt in seinem (Irr-)Glauben, dass Alex dem Rest der Liga schon ordentlich ans Bein pinkeln wird. Dabei spielt Axel B schon lange keine nennenswerte Rolle mehr, denn das dessen sportologische Uhr längst abgelaufen war, hatte selbst Friedhelm Funkel, eigentlich notorischer Freund alter Haudegen und noch älterer Fahrensmänner, erkannt. Nun gut. Das Axel B zunächst in die Zwote und später auf den Assistenz-Co-Trainerposten weggelobt wurde, und damit auch in Düsseldorf endlich sportliche Qualität verträumte Fan-Nostalgie schlägt, mag ein Erfolgsgeheimnis sein. Ein anderes lautet einfach, dass Fortunas Scouts im Transfersommer einen verdammt guten Job gemacht haben. Niko Gießelmann, Jean Zimmer, Benito Raman, Florian Neuhaus und Takashi Usami haben gut bis spektakulär eingeschlagen. Harvard Nielsen hat Potenzial und wird noch kommen. Rouwen Hennings, der ja formell auch ein Neueinkauf ist, zuvor aber bereits ausgeliehen war, spielt deutlich verbessert. Das mag zum einen auch an der Qualität seiner Nebenleute liegen. Die heben Rouwen auf ein höheres Niveau. Das war letzte Saison noch nicht möglich. Da war die Offensive zu schwachbrüstig. Auch Fink, Sobottka, Bormuth und Ayhan haben sich enorm gesteigert und wirken plötzlich wieder wie seriöse Profis. Von den Transfers ist nur Emir Kujovic ein Flop, wenngleich er als Fünfmeterraum-Gespenst auch schon zwei wichtige Tore erzielen konnte. Aber fußballerisch ist der Mann eine mittlere Katastrophe. Das er mal schwedischer Nationalspieler war, muss andere Ursachen haben. Vermutlich liegt hier eine Ibrahimovic-Connection vor. Und ganz wichtig: so sehr Keeper Rensing auch in den letzten Jahren ein Leistungsträger war, durch dessen langwierige Verletzung wurde Raphael Wolf ins Tor gespült und erst da fiel auf, was keiner ahnte: Wolf ist der bessere Rensing und hat der Fortuna viele Siege gerettet, denn die meisten Spiele wurden äußerst knapp gewonnen, da kam es auf jede Robinsonade an. Und von denen hatte Wolf im Laufe der bisherigen Hinrunde viele im Repertoire. Der Aufschwung ist aber bislang einer auf Pump, denn viele der neuen Erfolgsgaranten sind sogenannte „Leihspieler“. Die kehren also nach der hoffentlich durch den Aufstieg gekrönten Saison wieder zu ihren Stammvereinen zurück. Aber sei es drum. Es zählt der Augenblick. Jetzt spielt Fortuna endlich so, wie ich es mir all die Jahre gewünscht habe! Schnell, direkt, präzise, technisch stark. Mit Herz, Biss und Leidenschaft. Unglaublich sexy. Sie liefert bravouröses Fights, tolle Tore und beachtliche Konter. Ich bin entzückt! Ich bin mir zwar sicher, dass sie nicht meinetwegen plötzlich so gut sind, aber ich freu mich trotzdem und kann mich gar nicht satt daran sehen.

 

„…Der FCI wird sich nach seinem Zwischenspurt in den anstehenden Spitzenspielen wieder an Punktverluste gewöhnen müssen…“

 

Von den letzten fünf Pflichtspielen konnte Düsseldorf nur zwei gewinnen, aktuell stottert der Motor ein bisschen. Hat die Fortuna ein bisschen den Faden verloren?

Es ist nicht ganz fair in dieser Aufzählung das Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach miteinzubeziehen, das nach ansprechender Leistung nur knapp verloren wurde (0:1). Allerdings ging dadurch ein wenig die Überzeugung verloren es allen zeigen zu können. In den beiden darauffolgenden Spielen gegen Bochum und Heidenheim lies Friedhelm Funkel seine Mannen dann zu vorsichtig agieren. Es ist nicht ungewöhnlich, dass auch bei Spitzenteams solche Phasen in Hin- oder Rückrunde auftreten. Entscheidend wird sein, wie sich Fortuna nach der Länderspielpause in den wirklich kniffligen Partien bis Weihnachten präsentiert. Wenn Selbstvertrauen und Mut nicht zurückkehren, dann wird die Spitzenposition nicht in die Winterpause zu retten sein. Aufsteiger Holstein Kiel schwebt momentan auf einer Wolke der Unbekümmertheit und wird diese mit Sicherheit im Frühjahr verlassen. Die Zeit ist noch nicht reif für den Durchmarsch eines Vereins, der ein völliger Bundesliganeuling wäre. So etwas hat es mit Ulm 1998 zwar schon mal gegeben, aber man kann ja nachlesen, dass das kein gutes Ende genommen hat.

 

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Die Spiele gegen Düsseldorf waren entweder knappe Nummern, klare Geschichten oder friedliche Unentschieden. Auf die bisherige Bilanz braucht man also nicht berufen um eine Prognose für das Spiel am Sonntag abzugeben. Auf dem Bild, nicht unschwer zu erkennen, Stefan Leitl noch als Mittelfeldmotor und Spielführer bei den Schanzern. Bilder: Roland Geier und Schwarz-Rot-Blog

 

 

Nachdem einen Bundesligajahr 2012/2013 folgten drei durchwachsene Runden in der zweiten Liga. Wie sehr sehnt sich die Fortuna wieder nach dem Oberhaus?

Die von Euch angesprochene „Fortuna“ ist eine sehr heterogene „Familie“, die in der Frage der Sehnsucht gespalten ist. Die letzten drei Jahre im Unterhaus waren zäh und frei von jeglichem Genuß. Aber man darf nicht vergessen, dass der Verein zwischen 1997 und 2012 auch 15 Jahre am Stück in unteren Klassen verweilte bis runter in die vierte Liga, die man in der Saison 2002/03 auf einem furchterregenden 8. Platz beendete – mit einem negativen Torverhältnis. Auf Rang 4 befand sich damals übrigens mit Adler Osterfeld (aus Oberhausen) eine echte Freizeittruppe. Immerhin war das der Nachkriegstiefpunkt, von dem es dann doch mit kleinen Schritten aufwärtsging. Bis hin zum Bundesligaaufstieg 2012. Aber aus einer Saison Erstklassigkeit in den vergangenen zwei Jahrzehnten wird selbst im leicht versnobten Düsseldorf keiner so verrückt sein und einen Erstligaanspruch ableiten. Der Wunsch hochzugehen wird bei Funktionären, Trainern und Spielern sicherlich da sein. Die Fangemeinde betrachtet das differenzierter. Die eine Fraktion lehnt die Bundesliga mittlerweile als selbst ernanntes Premiumprodukt komplett ab, möchte nicht mit Red Bull, Volkswagen oder Bayer die Klingen kreuzen, sondern es sich vielmehr in Liga 2 am Kamin gemütlich einrichten. Ich gehöre zu denen, die der Bundesliga noch eine Chance geben möchten. Wenn die Sterne günstig stehen und sich mal eine echte Aufstiegschance ergibt, dann muss man zugreifen.

 

„…Meine Erwartungen an die Schanzer waren im Sommer noch sehr hoch…“

 

Die Schanzer haben zuletzt ihr Spiel in Nürnberg gewonnen. Jetzt geht es gegen Düsseldorf und Kiel. Fortuna trifft nachdem Spiel in Ingolstadt auf Kiel und Nürnberg. Wie denkst du sieht für beide Teams nach diesen wichtigen Spielen die Perspektive in der Liga aus?

Der FCI wird sich nach seinem Zwischenspurt in den anstehenden Spitzenspielen wieder an Punktverluste gewöhnen müssen. Für Düsseldorf wird es bei dem schweren Programm auch nicht leicht davonzuziehen. Insgesamt erwarte ich, dass in den nächsten Wochen die Spitzengruppe aus F95, Union Berlin, Kiel und Nürnberg etwas enger zusammenrücken wird. Ingolstadt wird das Verfolgerfeld weiter anführen, aber in diesem Jahr nicht mehr auf einen der drei Aufstiegsplätze vordringen können.

 

Wie hast du die Entwicklung beim FCI beobachtet? Nachdem verpatzten Saisonstart ist der FCI mit sechs Spielen ohne Niederlage aktuell die „Mannschaft der Stunde“ in der Liga. Welche Erwartungen hattest du an den FCI und wie denkst wird sich die Mannschaft weiterentwickeln?

Meine Erwartungen an die Schanzer waren im Sommer noch sehr hoch. Eure starke Bundesligarückrunde hat Euch in meinen Augen zum Aufstiegsfavorit Numero uno erkoren. Warum es anfangs so ungeschmeidig lief, werdet ihr besser beurteilen können als ich aus der Distanz. Ich war nur über jedes Spiel froh, das ihr nicht gewonnen habt, weil ich wusste, dass Euer Klub früher oder später noch durchstarten würde. Von daher war es mein Wunsch, dass Fortunas Vorsprung maximale Ausmaße annehmen musste, solange ihr noch mit Euch selbst zu kämpfen hattet. Der Trainerwechsel hin zu Stefan Leitl war natürlich für Eure Konkurrenz das Signal, dass die Schwächephase zu Ende gehen würde. Ähnlich war es 2013/14 als Ralph Hasenhüttl das Ruder übernahm, erst den Klassenerhalt herbeizaubern konnte und nicht mal zwei Jahre drauf den Aufstieg. Das soll aber jetzt bitte nicht als Aufforderung missverstanden werden, die Geschichte zu wiederholen.

 

„…Allerdings bin ich der schlechteste Tipper unter der Sonne, abgesehen von den wirklich Ahnungslosen.

 

Für beide Partien ist das Spiel am Sonntag sehr wichtig, was erwartest du für eine Partie im Sportpark?

Ingolstadt hat die letzten Heimspiele überzeugend gestaltet und wird der Fortuna deshalb forsch, aber auch mit gewissem Respekt begegnen. Von daher könnte sich eine von abwartender Haltung geprägte Partie entwickeln. Mit zunehmender Spielzeit wird sich entweder die starke Form der Schanzer durchsetzen und in Toren niederschlagen oder aber, und darauf hoffe ich, Fortuna wird aus eine sicheren Defensive kluge Konter fahren und die Begegnung für sich entscheiden. Fatalerweise hat sich Florian Neuhaus durch Torheiten gegen Heidenheim eine nachträgliche Sperre eingehandelt und auch Kaan Ayhan ist indisponiert. Das stellt schon eine deutliche Schwächung da. Leider tendiert Übungsleiter Funkel dazu auch die Mannschaft durch die Hereinnahme von Julian Schauerte, Lukas Schmitz, Adam Bodzek und vor allem Emir Kujovic freiwillig zu schwächen. Davor ist man wohl nie gefeit. Warum er das macht, bleibt allerdings sein Geheimnis.

 

Hand aufs Düsseldorfer Fanherz, dein Tipp fürs Spiel?

Vielen Dank für die Gelegenheit etwas über meinen Herzensklub schildern zu dürfen. Trotzdem mache ich deswegen noch lange keine Gefälligkeitsvorhersagen. Fortuna gewinnt in Eurem schönen Ingolstadt 2:1, genau wie 2013, als ich live vor Ort war. Allerdings bin ich der schlechteste Tipper unter der Sonne, abgesehen von den wirklich Ahnungslosen. Von daher müsst Ihr Euch noch nicht verzweifelt von einer Donaubrücke plumpsen lassen.

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