Da wartet noch viel Arbeit

Und wieder raus. Der FCI ist im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den SC Paderborn ausgeschieden. Damit verpassten die Schanzer die historische Chance zum ersten Mal in die Runde der letzten Acht einzuziehen. Bei der insgesamt schwachen Leistung in Paderborn zeigte der FCI sein zweites Gesicht und offenbarte wieder einige Problemfelder.

Platz vier zur Winterpause, das DFB-Pokal-Achtelfinale erreicht, da kann man sich eigentlich nicht beschweren. Wie schon im letzten Beitrag erwähnt, gab es zuletzt schon ganz andere Talfahrten von Bundesliga-Absteigern. Währenddessen der gut gestartete SV Darmstadt auf dem Abstiegsrelegationsplatz überwintert hat der FCI noch alle Möglichkeiten.

Nach der furiosen Ungeschlagen-Serie kam allerdings Sand ins Getriebe der Schanzer. Das 0:2 gegen Braunschweig, ein torloses Remis in Kiel, ein 1:1 beim Schlusslicht Kaiserslautern. Zum Ligajahresabschluss folgte dann noch ein 2:1-Sieg nach Rückstand an der Alten Försterei gegen Union Berlin.

„…Im zentralen Mittelfeld tummelt sich kein Spieler der das Spiel an sich reißen kann…“

Eigentlich kann man ja den Deckel draufmachen und sagen: „passt schon“, so kann es 2018 weitergehen. Doch so einfach ist es nicht. Keiner bei den Verantwortlichen hat den Wiederaufstieg bis jetzt als offizielles Saisonziel herausgegeben. Doch es ist eigentlich klar, was das Ziel ist. Doch um aufzusteigen wird sich die Mannschaft um Stefan Leitl nochmal steigern müssen. Und vielleicht muss der Kader auch noch verstärkt werden.

In den letzten Wochen zeigten sich Schwächen der Mannschaft. Die Abwehr wirkt lange nicht so sattelfest, wie anfangs vermutet. Die beiden Außenverteidiger Marcel Gaus und Tobias Levels zeigen immer wieder Leistungen wie Licht und Schatten. Levels belebt zwar das Offensivspiel, doch in der Defensive sieht er dafür immer wieder nicht so gut aus.

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Verdammt wichtig für die Mentalität, allerdings kein Spielmacher: Almog Cohen

Im zentralen Mittelfeld tummelt sich kein Spieler der das Spiel an sich reißen kann und ordnet. Christian Träsch steigert sich zwar von Spiel zu Spiel, doch ist er genauso wenig ein Spielmacher wie der zwischen Genie und Wahnsinn wandelnde Alfredo Morales. Almog Cohen ist eher ein klassischer Sechser und Abräumer als ein kongenialer Vorlagengeber.

…“Stefan Leitl hat aus diesem Kader viel herausgeholt…“

Ganz vorne dagegen zeigt sich der FCI variabel. Stefan Kutschke ist eher der Typ Abstauber-Stürmer, während Lezcano eher als laufstark gilt und die Räume aufreißt. Auf den Außenbahnen entzückten Pledl und Kittel lange Zeit die Fans und ärgerten gleichermaßen den Gegner. Ich sagte über die Flügelzange schon: „sie wird noch viele Mannschaften in Angst und Schrecken versetzen“ und ging sogar so weit zu sagen: wir haben die beste Flügelzange der Liga. Doch Kittel wirkt seit dem Braunschweig-Spiel entschlüsselt. Pledl kam zuletzt immer seltener zum Einsatz. Denn auch seine Leistungen ließen stark nach. Auch bei den Standards, die Spezialitäten beider Spieler strahlte der FCI keine Gefahr mehr aus.

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Thomas Pledl wurde zuletzt seltener eingesetzt. Seine Leistungen ließen nach.
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Alfredo Morales taumelt zwischen Genie und Wahnsinn. Sonny Kittel (rechts) scheint von der Liga vorerst enträtselt worden zu sein. 

Doch wo zwickt es? Es ist ein Zusammenspiel aus allen Mannschaftsteilen. Stefan Leitl hat aus diesem Kader viel herausgeholt. Nur er arbeitet auch mit einem Kader, der eigentlich für und von Maik Walpurgis zusammengestellt wurde. Doch es fehlen noch Spieler im Kader. Ich bediene mich mal den Vergleich mit der Meistermannschaft von 2014/2015. Hier verfügte der FCI wohl über seine beste Offensivreihe aller Zeiten. Groß, der kongeniale Spielmacher und Vorbereiter, Leckie der Flügelflitzer und Torjäger, Lex in der Form seines Lebens mit Toren und Geschwindigkeit und Hinterseer drückte ebenfalls einige Bälle über die Linie. Dieses Zusammenspiel war das große Pfund der Schanzer. Leckie und Lex spielten ihre Gegner auf der Außenbahn schwindlig und trafen gleichermaßen. Und Pascal Groß bediente sowohl die Außen, als auch Hinterseer mit Bällen. Außerdem traf er auch selbst. Groß war der Dreh- und Angelpunkt in der Offensive der Schanzer. Nachdem Aufstieg änderten die Schanzer ihre Spielausrichtung mehr ins Defensive. Was auch Sinn macht als Aufsteiger. Es sind gut Aufsteiger in Schönheit gestorben und abgestiegen.

„…Der FCI muss sich jedenfalls in der Rückrunde ein bisschen neu erfinden…“

Die Rolle von Groß wurde eine Andere in den beiden Bundesligajahren. Er stand nicht mehr im Mittelpunkt des Spiels, er zog sich eher auf die ordnende Rolle zurück. Er verteilte die Bälle, spulte etliche Kilometer pro Spiel ab und war der „unsichtbare“ Motor der Offensive. Er bereitete bei weiten nicht mehr so viele Tor wie in den Jahren zuvor, war aber trotzdem einer der wichtigsten Spieler in der Mannschaft. Nach seinem Wechsel zu Brigthon in die Premier League wurde das Vakuum zwischenzeitlich gefüllt.

Goldjunge Kittel, der bereits in der vergangenen Rückrunde zeigte, was er drauf hat, überzeugte nachdem Amtsantritt von Leitl auf ganzer Linie. Doch nun zeigte sich auch, dass ein Kittel alleine keine Spiele gewinnen kann. Wird Kittel mal aus dem Spiel genommen ist das Schanzer Offensivspiel ohne Ideen. Es werden wie gegen Kaiserslautern und in Paderborn immer die gleichen Angriffe gefahren. Levels dringt über die Außen nach vorne und flankt. Kreativ ist das wirklich nicht. Und genau das ist aktuell das Problem in der Offensive. Es fehlt der echte Spielmacher.

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Der Spielertyp wie typischer Spielmacher wie Pascal Groß (links) fehlt den Schanzern.

Denkt man dann mal die möglichen Varianten durch, stößt man schnell an die Grenzen. Zieht man Kittel auf die Zehn, braucht es fast vorne zwei Stürmer. Und wer spielt dann für Kittel auf der Außenbahn? Denn einen richtigen links Außen hat der FCI nicht mehr im Kader. Während rechts die Optionen mit Lex und Leipertz schon vielseitiger sind. Nicht zu vergessen wäre allerdings auch noch Sekine.

Auch in der Defensive wäre eine Stabilisierung nicht ganz unwichtig. Phil Neumann wäre mal eine Startelf-Option. Er verkörpert die moderne Art des Außenverteidigers. Offensives ankurbeln und sicheres verteidigen zu gleich

„..Für das große Ziel Wiederaufstieg sind allerdings noch viele Anstrengungen nötig…“

Der FCI muss sich jedenfalls in der Rückrunde ein bisschen neu erfinden. Flexibleres Offensivspiel, stabilerer Defensive und mehr Balance im zentralen Mittelfeld. Sollte das Ziel tatsächlich der Wiederaufstieg sein, an dem sich auch Stefan Leitl, dann messen muss, wird die aktuelle Spielweise wohl nicht reichen für ganz oben. Der Rückstand auf Platz drei beträgt fünf Punkte. Aufsteiger Holstein Kiel hat zwar jetzt seinen Durchhänger, doch so richtig einbrechen tun die Störche auch nicht. Der FCI muss also weiter konstant punkten um oben dran zu bleiben. Gleichzeitig muss man natürlich auch auf Schwächephasen der Gegner hoffen. Außerdem hat der FCI zum Auftakt 2018 mit Sandhausen, Aue und Regensburg jetzt keine Gegner, gegen die man einfach mal so im Vorbeigehen gewinnt. Und wie schon im letzten Beitrag erwähnt ist diese kleine Schwächephase des Teams eigentlich kein Beinbruch. Doch die Schanzer sind schlecht in die Runde gestartet. Währenddessen die anderen Teams von Anfang punkten und sich ihre Vier-Spiele-Schwächephase mal leicht leisten konnten.

Es wird interessant, wie sich das Team ab 2018 dann ausrichtet. Für das große Ziel Wiederaufstieg sind allerdings noch viele Anstrengungen nötig. Ansonsten und das wäre ja ehrlich gesagt auch nicht schlimm, müsste man sich halt mit einem guten oberen Mittelfeldplatz (4-7) zufrieden geben.

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