Nicht aufstiegsfähig – Das Jahn-Spiel offenbart gnadenlos die Schwächen

Es waren rund 20 Minuten die spielentscheidend waren im Donaustadt-Derby in Regensburg. Die Schanzer lagen mit 2:0 in Führung. Der Derbysieg schien im Sack. Doch dann fiel das Kartenhaus der Schanzer in sich zusammen. Ein Zusammenbruch der zeigte: diese Mannschaft wird so nicht aufsteigen. Ein Spiel in dem sich alle Problemfelder schonungslos entlarvten. Doch nicht nur die Leistung spricht gegen einen Aufstieg, sondern auch das Zahlenwerk…

Bereits die erste Derbyniederlage zuhause gegen Regensburg war eine Art Demütigung. Der Aufsteiger aus Regensburg sollte uns auch dieses Mal das Leben schwer zu machen. Doch der Spielbeginn war vielversprechend nach wenigen Minuten führte der FCI durch einen Treffer von Alfredo Morales. In der ersten Halbzeit waren unsere Schanzer das bessere Team, ohne für große Gefahr in der Offensive zu sorgen. Mit dem 2:0 nach einem Foulelfmeter von Dario Lezcano sah es sehr gut für den Derbysieg aus.

Im zweiten Durchgang plätscherte die Partie vor sich hin. Regensburg wurde gut zurückgedrängt und die Schanzer wollten nicht so Recht. In der 72. Minute nahm die Partie eine Wende. Hauke Wahl schob eine Flanke ins eigene Tor. Und es begann eine wilde Fahrt in Regensburg. Die Schanzer hatten zweimal große Möglichkeiten das Ergebnis auf 3:1 hochzuschrauben. Doch einmal zeigte sich Kittel zu verspielt und legte den Ball nicht ab. Bei der nächsten Aktion traf er aus aussichtsreicher Position nicht. Über diese Fußballweisheit „nutzt man seine Chancen nicht, dann…“ kann man halten was man will. Aber gefühlt ist das eine Art Fußballgesetz. Denn der Jahn glich in der 78. Minute zum 2:2 aus. Doch damit nicht genug, der Jahn hatte jetzt richtig Bock das Spiel noch komplett zu drehen. In der 88. Minute stand die Abwehr des FCI abermals blank und es stand 3:2 für Regensburg. Die Oberpfälzer hätten sogar die Chance auf das 4:2 gehabt.

2. BL. Saison 2017/18 - FC Ingolstadt
Schröck wird von einem Jahn-Profi gefoult. (Alle Bilder: Roland Geier)

Der FCI brach zusammen und verpasste so die aussichtsreiche Chance auf Platz drei vorzurücken. Jetzt stehen die Schanzer auf Platz sechs und haben sechs Punkte Rückstand auf den neuen Dritten Holstein Kiel. Aufsteiger Duisburg hat den FCI überholt. Sandhausen steht auf Platz vier.

„…Am Druck kann es jedenfalls nicht gelegen haben…“

Ist der Aufstieg also durch? Meiner Meinung ein klares: Ja. In der Winterpause gab es aus dem Klub teilweise sehr widersprüchliche Aussagen zum Thema Aufstieg. Einerseits hieß es: aufsteigen, aber nicht um jeden Preis. Allerdings wurde der Aufstieg mehr oder weniger als klares Ziel für die Rückrunde ausgerufen. Das „nicht um jeden Preis“ war darauf bezogen jetzt nicht die Transfererlöse zu reinvestieren. Die Mannschaft bekommt das uneingeschränkte Vertrauen.

Am Druck kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Denn der Kern der Mannschaft ist gewohnt unter höchsten Druck zu spielen. In der vergangenen Saison spielte das Team über die gesamte Saison gegen den Abstieg. Jedes Spiel: Druck liefern zu müssen. Gerade zum Ende der Saison gab es einige Spiele in Serie, wo es frühzeitig hätte vorbei sein können.

„…Es spricht leider vieles gegen den FCI…“

Die Gründe sind wohl im Kader zu suchen. Es zeigt sich immer deutlicher wie wichtig Spieler wie Tisserand, Haderjonaj, Leckie, Groß und Suttner für das Team und das Spiel waren. Insbesondere die Achse Suttner, Leckie und Groß ist ein herber Verlust. Der Verlust wäre halb so wild, wenn Spieler verpflichtet worden wären, die dieses Vakuum füllen könnten.

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Im Mittelfeld fehlt der Taktgeber fürs Offensive und der Abräumer als Sechser. Auch der Aderlass in der Verteidigung ist nicht ausreichend neubesetzt worden. Über die Flügel verkörperten Suttner und Haderjonaj die moderne Art des Außenverteidigerspielers. Offensiv Druck machen und hinten gnadenlos verteidigen.

Es mag vielleicht unfair sein, aber auch ein Vergleich mit der Aufstiegssaison 2014/2015 zeigt deutlich, dass die aktuelle Bilanz wohl nicht annährend reicht um wieder aufzusteigen. Am 20. Spieltag der Saison 2014/2015 lag der FCI mit acht Zählern vor dem Tabellenzweiten Kaiserslautern. Der FCI hatte damals 43 Punkte (sogar drei mehr, wie der jetzige Spitzenreiter Nürnberg) bei einer Fabel-Bilanz von 12 Siegen, 7 Remis und einer Niederlage. Die Abwehr ließ nur 14 Gegentore zu. Offensiv ist die Bilanz nur ein bisschen besser wie vor einigen Jahren. 33 Tore erzielte damals der FCI. Aktuell sind es 29. Die Schanzer haben bis jetzt schon sieben mal verloren. Als die Schanzer aufstiegen waren es insgesamt vier. Also hat das Team jetzt schon fast doppelt so viele Spiele verloren, wie in der Aufstiegssaison insgesamt. Es ist höchst unwahrscheinlich dass der FCI jetzt ungeschlagen Richtung Aufstiegsplätze marschiert. Denn der Tabellendritte Braunschweig stand vergangene Saison mit sechs Niederlagen auf Platz drei.

„…Die zweite Liga ist ein Heimfischbecken…“

Es spricht leider vieles gegen den FCI. Die aktuelle Leistung, die Personalpolitik und auch das nackte Zahlenwerk.

Doch wohin schippert jetzt das Schiff FCI für den Rest der Runde? Fakt ist, dass der FCI auch bereits vor der Winterpause bereits stark nachgelassen hat. Nach dem Amtsantritt von Stefan Leitl robbte sich der FCI nach oben. Mit teilweise berauschenden Leistungen (3:0 gegen Darmstadt) oder reifen Leistungen (2:1 in Nürnberg). Es folgte der planlose Auftritt gegen Braunschweig. Hier war das Spiel des FCI enträtselt. Dann noch das Pokal-Aus und der wilde Ritt in Berlin bei Union.

Vielleicht kann ein Systemwechsel auf eine Raute helfen? Pledl und Leipertz auf Außen, mit einer Doppel-Sturmspitze. Kittel auf die Zehn und ein Sechser. Oder zwei Sechser und dafür den klassischen Zehner verzichten.

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Sonny Kittel ist enträtselt. Nach seinen furiosen Partien in der Hinrunde, hinkt er aktuell noch seinen Leistungen weit hinterher.

Die Mannschaft muss sich am Riemen reißen. Die zweite Liga ist ein Heimfischbecken. So schnell wie es nach oben geht, geht es auch schnell wieder nach unten. Sandhausen und Duisburg machen genauso wenig Anstalten wie Regensburg, Federn zu lassen. Auch spielerisch zeigen die sich die aktuellen Spitzenteams, strukturierter und disziplinierter in ihren Aktionen. Beim FCI wirken viele Angriffe zu statisch. Die Konter werden nach wie vor zu langsam ausgespielt, es sieht ideenlos aus. Einzig die Standards griffen in Regensburg. Wobei ein Standard ja ein Elfmeter war.

„…Zu reich ist die Vergangenheit an richtigen Abstürzen von Bundesliga-Absteigern…“

Die nächsten Gegner werden nicht leichter. Zuhause wartet Fürth, das mit einem Remis gegen Kiel aufhorchen ließ. Auch keine leichte Aufgabe. Gerade kompakte Teams liegen den Schanzern erfahrungsgemäß nicht. Und dann geht es auswärts zu Aue, Aue, das tut weh. Auch so ein Kampfgegner der zu den unangenehmsten der Liga zählt.

Nennt mich einen Pessimisten oder Schwarzmaler. Aber der Aufstieg ist sehr weite Ferne gerückt. Die Mannschaft sollte jetzt den Schalter umlegen. Gas geben, alles reinwerfen um eine ehrenwerte Runde zu spielen. Auch ein Sechster oder Siebter Platz wäre für einen Absteiger ehrenwert. Doch vom Aufstieg zu reden und schlecht spielen, wird den Fans nicht gerecht. Lieber im oberen Drittel mitspielen mit vernünftigen Leistungen. Denn die Fans erwarteten nicht zwingend unbedingt den Wiederaufstieg. Zu reich ist die Vergangenheit an richtigen Abstürzen von Bundesliga-Absteigern. Lieber im Sommer dann in aller Ruhe, eine Mannschaft aufbauen die kommende Runde an die Tabellenspitze schielt, gigantische Absteiger aus der Bundesliga, hin oder her.

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