Ja, heute hätte München und die umliegenden Wintersport-Orte der Nabel der Welt sein können. Heute hätte die ganze Welt auf die Landeshauptstadt geschaut. Aber nein, die Olympischen Winterspiele starten in Pyeongchang, Südkorea. Ob ich traurig bin, deswegen? Ein bisschen schon. Aber an Olympia stört mich viel mehr. Denn das ganze Geld macht diese eigentliche großartige Veranstaltung seit Jahrzehnten kaputt. Zeit für eine kleine Abrechnung.

Olympia die größte Sportveranstaltung des Planeten. Getragen von den Grundwerten, die besten Sportler des Planeten zu finden. Getragen von der Idee, dass alle Nationen friedlich und mit Respekt sich sportlich messen. Und vor allem getragen von der Idee, dass alle irgendwie Gewinner sind.

Doch dieser Olympische Geist leidet nicht erst seit Jahren, sondern seit Jahrzehnten. Es sind viele Dinge, die Olympia zu einer geldverseuchten Veranstaltung machen als zu einem schönen großen Sportfest.

„…Bewerber die Interesse hatten an nachhaltigen Olympischen Spielen gab es zuletzt doch genügend…“

Nachhaltigkeit sollte gerade bei Veranstaltungen dieser Größenordnung im Vordergrund stehen. Doch wer die Olympia-Vergaben der letzten Jahre betrachtet, sieht deutlich: es geht nur ums Geld. Etliche Vergaben liefen nicht sauber. 1996 hätten die Sommerspiele eigentlich nach Athen gehen sollen. Grund das 100-jährige Jubiläum der modernen Spiele. Sie gingen nach Atlanta. In eine Gegend in der auch potente und zahlungskräftige Großsponsoren des IOC (Internationales Olympisches Komitee) sitzen. 2002 war die Vergabe der Winterspiele nach Salt Lake City ebenfalls von einem Korruptionsskandal überschattet.

Die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi waren ebenfalls eine sehr interessante Nummer. Winterspiele am Meer, mit etlichen Milliarden finanziert. Nachhaltigkeit ist etwas Anderes. In Rio de Janeiro verfallen die Sportstätten. Brasilien wurde regelrecht ausgenutzt und die Stadt zu Grunde gerichtet. Es war ein großer Fehler die Spiele nach Rio zu geben. Zumal auch in Brasilien die Korruption dominiert.

Bewerber die Interesse hatten an nachhaltigen Olympischen Spielen gab es zuletzt doch genügend. München bewarb sich u. a. 2018 um die Winterspiele. Das Konzept sah vor die bestehenden Sportstätten von den Sommerspielen 1972 zu integrieren und nur wenig neue Sportstätten zu bauen. Die Nachnutzung wäre gesichert gewesen. Rom wollte sich 2024 bewerben. Es scheiterte an den zu hohen Kosten. In Budapest war die Bevölkerung dagegen.

„…Die Akzeptanz der Spiele in den westlichen Ländern ist massiv zurückgegangen,…“

Zumal München 1972 wohl die fast perfekten Spiele im Sinne der Nachhaltigkeit gelangen. Alle Sportstätten waren in Nachnutzung, die Spiele beflügelten die Stadt eher, als dass sie in den Bankrott führten. Auch London schaffte es 2012 mit einem guten Konzept die Spiele nachhaltig für sich zu nutzen.

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Und schon geht es weiter. Beim nächsten Gastgeber der Sommerspiele Tokio 2020, sollen die Kosten aus dem Ruder laufen. Und beim jetzigen Gastgeber der Olympischen Winterspiele soll das rund 50 Millionen teure Olympiastadion nach den Spielen wieder abgerissen werden. Außerdem tobt ein Kampf darum wer denn eigentlich die Kosten bezahle.

Abgesehen davon, dass klimatisch die Winterspiele sowieso gefährdet sind, ist der Widerstand bei Bewerbungsorten riesig groß. Die nächsten Winterspiele finden in Peking statt. Vor allem Bewerbungen aus Wintersportorten wie Zakopane (Polen), München und Umgebung, Stockholm oder Oslo scheiterten am großen Widerstand der Bürger oder an den ausufernden Kosten bereits im Vorfeld.

„…Bürger akzeptiert dieses System nicht mehr…“

Die Akzeptanz der Spiele in den westlichen Ländern ist massiv zurückgegangen, was zweifelsohne daran liegt, dass die Kosten gnadenlos ausufern, sich das IOC bereichert und auch das zögerliche eingreifen bei Doping-Fällen.

Die TV-Rechte sind horrend teuer geworden und die Sponsoren überweisen nach wie vor fleißig ans IOC. Diese Entwicklungen kennt man ebenfalls bei der FIFA.

Die letzten Olympischen Spiele fanden 1972 in Deutschland statt. Ich denke es werden auch für lange Zeit die letzten gewesen sein. Denn zahlreiche deutsche Bewerbungen (2000 Berlin, 2012 Leipzig, 2018 München) scheiterten. Die wiederholte Bewerbung Münchens scheiterte am Protest der Bevölkerung. Auch die Bewerbung um die Sommerspiele in Hamburg 2024 wurden abgeschmettert. Der Bürger akzeptiert dieses System nicht mehr. Auch wenn Deutschland zweifelsohne in der Lage wäre, diese Großveranstaltung ohne Problem und wahrscheinlich auch im Kostenrahmen auszurichten. Dass diese Spiele dann auch nachhaltig und clever konzeptioniert wären, steht außer Frage.

Heute hätten die Olympischen Winterspiele in München starten können. Das Olympiastadion wäre mit olympischen Geist gefüllt worden. Und 2024, hätten vielleicht die Sommerspiele in der Hansestadt Hamburg stattfinden können. Die Spiele 2024 finden in Paris statt. 2020 in Los Angeles. Es gab für beide Veranstaltungen nur je einen Bewerber….

Wer kann aber das alle stoppen? Die Zuschauer die nicht mehr die Wettkämpfe live oder im Fernsehen verfolgen? Die Sportler? Von selbst wird das IOC jedenfalls nichts ändern. Es ist ja alles toll und gut. Alleine die Reaktion des IOC auf das staatlich verordnete Doping bei den Spielen in Sotschi, zeigt wie sehr das IOC kapituliert hat. Von den einst so romantischen und tollen Olympischen Werten ist nichts mehr übrig. Das ist Schade um die Veranstaltung, schade für allem für die ehrlichen Sportler die mit Doping-Sündern zwangsläufig über einen Kamm geschert werden.

Ich werde bei Olympia dieses Mal vielleicht ein paar Eishockey-Spiele verfolgen und Biathlon-Wettkämpfe, mehr interessiert mich auch nicht. Und auch bei mir hat die Begeisterung für Olympia im Vergleich zu den Winterspielen 2006 in Turin oder 2010 in Vancouver massiv nachgelassen. Man kann nur hoffen, dass es sich irgendwann etwas ändert. Aber wahrscheinlich ist ein Wandel im IOC genauso wahrscheinlich als bei der FIFA. Nämlich gar nicht.

 

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