Die Rückrunden-Krise

Acht Punkte aus sechs Spielen, Platz sieben in der Tabelle. Der FCI steckt mitten in einer Rückrunden-Krise. Anstatt die Patzer des Konkurrenten Kiel auszunutzen, entfernt sich die Mannschaft Woche für Woche von seiner eigenen Erwartungshaltung aufsteigen zu wollen. Wie geht es nun weiter?

Unverdient war der Sieg des FC St. Pauli am Samstag nicht. Bei klirrenden Temperaturen und starken Schneefall setzten sich die Hamburger mit 1:0 durch. Ein super ausgespielter Konter reichte den Kiezkickern um die drei Punkte zu entführen. Es war ein cleverer Sieg gegen Schanzer die wieder einmal unter Beweis stellten: so spielt kein Aufstiegsfavorit. Die lustige Randnotiz des Tages ist: das unser Ex-Trainer Kauczinski sein erstes Spiel im Sportpark gewann. Korrektur: Kauczinski gewann bereits mit dem Karlsruher SC im Sportpark.

Am einsetzenden Schneefall kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Denn auch zuvor präsentierten sich die Schanzer nicht sonderlich anwesend im Spiel. Während Pauli entgegen der Erwartungen versuchte offensiv Nadelstiche zu setzen, spielte der FCI unkreativ mit wenig Tempo und auch wenig Kampfgeist.

Zwar versuchten die Schanzer im zweiten Durchgang irgendwie noch die Niederlage abzuwenden, aber mehr als Zufallsprodukte sprangen im Offensivspiel nicht heraus. Zwar wurde der Druck spürbar erhöht, aber man hatte jetzt nicht zwingend das Gefühl, ja da geht noch was. Und genau das ist eines der großen Probleme aktuell. Offensiv agieren die Schanzer absolut planlos. Die frühere Standardstärke ist seit den Abgängen von Pascal Groß und Markus Suttner verpufft. Die Ecken und Freistöße sorgen selten für Gefahr. In der vergangenen Saison waren die Standards das große Pfund. Auch in der Defensive fehlt die Balance und im Mittelfeld, das eigentlich das Herzstück sein sollte fürs Spiel, fehlt Herz, Kreativität und Antriebskraft.

Und die Angriffsabteilung verhungert. Eben weil aus dem Mittelfeld keine Bälle, keine kreativen Aktionen kommen. Zu erwarten war es nicht, das Pauli von Anfang an aktiv mitspielt. Aber die Mannschaft konnte nicht darauf reagieren. Auch im Bereich Kampfgeist gab es nicht richtig ein aufbäumen.

2. BL. Saison 2017/18 - FC Ingolstadt

Die Rückrundenbilanz ist für einen selbsternannten Aufstiegsfavoriten eine Katastrophe. Acht Spiele: zwei Niederlagen, zwei Remis und zwei Niederlagen. Während die Spitzenteams Düsseldorf (13 Punkte aus acht Spielen) und Nürnberg (in der Rückrunde ungeschlagen) vorneweg marschieren. Holstein Kiel seit mittlerweile zehn Spielen ohne Sieg, patzt Woche für Woche. Doch vom Relegationsrang kann sie trotzdem keiner verdrängen. Weil die Lücke weder der FCI, noch Sandhausen oder Regensburg schließen können. Von Regensburg, Sandhausen oder auch dem MSV Duisburg erwartet man diesen „Angriff“ auch gar nicht. Aber vom FCI. Doch die Schanzer verpassen es Konstanz in ihre Leistungen zu bringen. Gerade in dieser Phase, wo man Boden gut machen hätte können und ganz oben angreifen hätte können.

Ist der Aufstieg damit abgehakt? Der Rückstand ist mit vier Punkten nicht sonderlich groß. Doch den gilt es erstmal aufzuholen. Die Mannschaft macht aktuell nicht den Eindruck nachhaltige gute Leistungen abrufen zu können. Was ich allerdings auch am insgesamt zu schwachen Kader ausmache (bereits in einigen Beiträgen) erwähnt. Auch die Statistik spricht für mich klar gegen einen Wiederaufstieg bzw. für das Erreichen des Relegationsplatz.

Die Schanzer haben von ihren 23 Ligapartien bisher nur neun gewonnen und acht verloren. Der letztjährige Tabellendritte Braunschweig hatte nach 34 Partien, 19 Siege zu verbuchen. Heißt in den verbleibenden Partien würde der FCI aus 11 Partien, insgesamt zehn Siege benötigen. Das ist ziemlich unwahrscheinlich. Natürlich können dieses Jahr auch weniger als 66 Punkte zum Relegationsrang reichen. Allerdings fehlt es aktuell an zu vielen Ecken um zu einem Spitzenteam zu gehören.

Der Mannschaft fehlt es an offensiven Ideen. Das Spiel ist zu statisch, zu bewegungslos und zu unkreativ. Es fehlt auch die letzte Galligkeit in den Aktionen. Desweiteren fällt auch immer wieder das Wort „Dominanz“ im Zusammenhang mit dem Team. Dominanz ist etwas für absolute Spitzenmannschaften. Dominanz zeichnet sich nicht nur durch viel Ballbesitz, sondern auch dadurch aus, den Gegner mit Offensivaktionen zu überrennen und die Tore zu machen. Und wirklich konsequent dominierende Mannschaft gibt es im deutschen Fußball wenige. In Zusammenhang mit dem FCI finde ich den Begriff ziemlich groß dimensioniert.

Die kommenden Aufgaben für den FCI bleiben spannend. Es geht zum Tabellen-Nachbarn Duisburg. Der Aufsteiger spielt bisher eine furiose Saison. Danach kommt Krisenklub Bochum in den Sportpark. Die Schanzer tun gut daran, in den kommenden Spielen einfach zu versuchen, die Spiele mit Aggressivität, Galligkeit und grundlegenden Tugenden zu gewinnen. Die Lücke ist nicht groß nach ganz oben. Aber um zu einem Spitzenteam zu werden gehört mehr als zu Reden. Tun ist das Stichwort.

Relegationsplatz? Mit diesen Bilanzen wurden die Teams Dritter?

2016/2017: Braunschweig, 19-6-6, 66 Punkte
2015/2016: 1. FC Nürnberg, 19-8-7, 65 Punkte
2014/2015: Karlsruher SC, 15-13-6, 58 Punkte
2013/2014: SpVgg Greuther Fürth, 17-9-8, 60 Punkte
2012/2013: 1. FC Kaiserslautern, 15-3-6, 58 Punkte

Schnitt 61,4 Punkte

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