Schämt euch Bundesligisten

Zum sechsten Mal in Folge ist nun der FC Bayern München Deutscher Fußball-Meister geworden. Das ist durchaus anzuerkennen. Doch man muss im gleichen Atemzug auch langsam die generelle Qualitätsfrage der Bundesliga stellen. Zeit für eine kleine Abrechnung.

Die Münchner hatten dieses Jahr absolut gar keine Probleme den Titel zu gewinnen. Nach fünf Punkten Rückstanden auf befreit aufspielende Dortmunder, zog der FC Bayern unter der Führung von Jupp Heynckes ordentlich an. Das Ergebnis ist bekannt. Die Bayern sind wieder vorzeitig Meister geworden. Die Art und Weise war beeindruckend. Und die Ergebnisse. Mit einem Selbstverständnis schlugen sie Dortmund zuhause mit 6:0, Leverkusen im Pokal mit 6:2, Eintracht Frankfurt mit 4:1 und Hoffenheim mit 5:2.

Das Spiel gegen die SGE dient als Musterbeispiel wie krass die Dominanz der Münchner ist. Und gleichermaßen wie erbärmlich die Gegner in der Münchner Arena auftreten. Die Bayern agierten mit Dorsch und Mai mit „Jugendspielern“ und ließen auch viele Stammspieler auf der Bank. Trotzdem hatten die Münchner letztlich keine Probleme Eintracht mit 4:1 zu schlagen.

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Man gewinnt immer mehr den Eindruck das viele Mannschaften nach München fahren mit der Einstellung: wenn wir das Spiel nicht höher als 4:0 oder 3:0 verlieren, dann ist es ok. Viele Mannschaften hat man den Eindruck ergeben sich gegen den Rekordmeister.

Die Qualitätsfrage der Liga wird schon die ganze Saison diskutiert. Nicht nur in Hinblick auf die Münchner Dominanz, sondern auch wenn man das Abschneiden der Klubs im europäischen Wettbewerb betrachtet. Reihenweise kegelten die Klubs in dieser Saison raus. Keiner sagt,  dass die Bundesliga finanziell mit der La Liga oder mit der Premier League Schritt halten muss. Doch in beiden Ligen ist das Feld der Spitzenmannschaften viel größer als in der Bundesliga. Alleine in Spanien gibt es seit Jahren neben Real und Barcelona mit Atletico eine dritte Spitzenmannschaft. Valencia hat sich dieses Jahr wieder an die Spitze gespielt. Sevilla zählt auch zum erweiterten Kreis der Top-Teams, wenn auch diese Saison für das Team nicht gut läuft.

Doch was kann man tun? Liegt es wirklich an den schier übermächtigen Finanzmitteln der Münchnern? Der FC Bayern hat schon seit Jahrzehnten mit Abstand am meisten Finanzmittel zur Verfügung. Doch in den letzten Jahren zeigt sich eine klare Kluft. Der letzte Meister der nicht Bayern hieß, war Dortmund vor sechs Saisons. Damals schaffte der BVB mit einer jungen Truppe es gleich zweimal nacheinander Deutscher Meister zu werden.

Dass das große Geld keine Titel garantiert beweisen aktuelle einige Klubs auf europäischer Ebene. Und vor allem die englischen Klubs. Es wäre schon ein Anfang, wenn die Vereine die nach München reisen, wirklich hochmotiviert ins Spiel gehen und versuchen die Bayern an den Rand einer Niederlage zu bringen. Die Bayern kann man schlagen. Nur dafür benötigt man eine gewisse Galligkeit und auch Durchhaltevermögen. Diese engen Heimspiele in München sind dieses Jahr wirklich eine rare Ware. Es wäre auch ein Anfang, wenn die Klubs hinter den Bayern mal ganz klar den Anspruch anmelden, Deutscher Meister zu werden und so auftreten. Es gab in dieser Saison keine einzige Mannschaft die annährend den Münchnern das Wasser reichen konnte. Das ist eine fatale Entwicklung für das so vermarktete „Premium-Produkt“ Bundesliga. Mit Premium hat das Meisterschaftsrennen jedenfalls nichts  zu tun.

Den Bayern selbst darf man keinen Vorwurf machen. Die Münchner haben klug sich finanzielle Mittel gesichert. Einige Unternehmen sind als Aktionäre an der FC Bayern München AG beteiligt. Die Münchner haben kluge Transfers getätigt, auch wenn manche natürlich durchaus als gezieltes Schwächen der Konkurrenz auszulegen sind. Unsummen für Spieler geben die Bayern allerdings auch nicht aus.

Für mich liegt der Hund ganz klar, an der Konkurrenz begraben. Wenn wir in Deutschland wieder ein spannendes Titelrennen wollen, müssen sich vor allem Klubs wie Schalke, Leverkusen oder Dortmund Strategien überlegen, wie sie den Titel gewinnen können. Es kann nicht sein, dass die Bayern mit 20 Punkten Vorsprung ins Ziel sprinten. Diese Liga ist langweilig geworden. Und wegen einem spannenden Abstiegskampf sieht man sich auch nicht die Bundesliga an. Die Zuschauer wollen ein spannendes Titelrennen, spannende Spiele und Teams die gallig sind auf die Schale.

Die Schanzer sind zwar im zweiten Jahr abgestiegen. Allerdings hat der FCI zwei tolle Spiele in München abgeliefert. Einmal gingen wir sogar in Führung. Letztlich hat sich die Cleverness der Bayern durchgesetzt. Allerdings ist der FC Bayern nicht der Gegner der Schanzer gewesen, mit dem man sich messen muss. Trotzdem fuhr die Mannschaft zweimal nach München um Punkte mitzunehmen. Das hätte auch einmal fast wirklich geklappt. Unser Team hat damals tolle Leistungen gezeigt. Keiner ist in Ehrfurcht vor den Spielern oder Kulisse erstarrt.

Und ich führe auch die fehlende Qualität in der Bundesliga darauf zurück, dass die Bayern in fünf Jahren jetzt  zum vierten Mal im Halbfinale der Champions League gescheitert ist. Wer nicht gefordert in der Liga, der kann in solchen Partien manchmal zu eklatanten Fehlern neigen. Enge Partien in denen die Bayern gefordert werden in der Liga, können dafür sorgen, dass das Team vielleicht 5 – 10% mehr abruft in so einem wichtigen Europapokal-Spiel.

Genau solche mutigen Auftritte braucht die Liga. Aufmüpfig, clever und gallig. Das ganze noch gepaart mit klugen, strategischen Transfers. Nur dann, kann der siebte Titel der Bayern in Folge verhindert werden.

 

Bilder: Roland Geier und Maximilian Randelshofer

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