Peking 2022: NOlympia: das IOC tut so, als müsste sich die Weltwirtschaft kniend für diese Vergabe bedanken.  

Olympische Winterspiele in Peking. Das ist Zynismus pur. Gigantische Rodel-Anlagen die in Naturschutzgebiete gebaut wurden (der Präsident hat das Naturschutzgebiet verschieben lassen), Ski-Wettbewerbe in einer der trockensten Region der Welt, Menschenrechtsverletzungen, kasernierte Uiguren, fehlende Presse- und Demonstrationsfreiheit. Die Vergabe der Spiele nach Peking ist eine Katastrophe. Und da stellt sich die Frage: Wie damit umgehen?

Ich habe meine Position dafür gefunden. Ich liebe Winterspiele. Meine Freundin sagt immer: Sport machen anstatt Sport anschauen, würde bei meiner Leibesfülle durchaus helfen. Aber das ist ein anderes Thema. Begeistert habe ich als 12-jähriger 2006 die Winterspiele in Turin verfolgt. Ich kann mich noch gut an die Biathlon-Wettbewerbe erinnern, als Michael Greis dreimal Gold gewann. 2010 verfolgte ich die Winterspiele in Vancouver auch sehr aufmerksam. Unvergessen bleibt der Moment als Sidney Crosby Kanadas Eishockey-Mannschaft zu Gold schoss und ihn die Mannschaft an der Bande regelrecht erdrückte vor Jubel. Die Spiele 2014 in Sotschi verfolgte ich oberflächlich, 2018 in Pyeonychang kaum. 2014 lag es wahrscheinlich daran, dass ich die Spiele schwierig live mitverfolgen konnte, da ich einfach berufstätig bin. Aber das „deutsche Miracle on ice“ ist mir natürlich nicht entgangen!

Aber zurück zum Thema Peking. Das IOC hat mit der Vergabe nach Peking eine Sünde begangen. Das IOC ignoriert die Menschenrechtsverletzungen und verweist auf einen neuen Ski-Markt der zu erschließen sei. 300 Millionen Chinesen sind Wintersport begeistert. Ja das ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht durchaus lukrativ für die westeuropäische Wintersport-Industrie. Aber, der „Markt“ ist ohne ein IOC auch in der Lage, dieses Gebiet zu erschließen. Das IOC tut jetzt so, als müsste sich die Weltwirtschaft für diese Vergabe kniefallend bedanken.

Mir jedenfalls ist die Wintersport-Leidenschaft in Peking abhanden gekommen. Ich hab keine Lust auf inszenierte Spiele in einem Land, dass mit Wintersport so viel zu tun hat, wie ich mit Leistungssport. Das hat auch nichts mit einem Wachstumsmarkt zu tun. Das IOC sollte lieber schauen, dass sich westliche Staaten wieder für Winterspiele interessieren. Bestehende Wintersport-Hochburgen, die es in Europa zu Haufe gibt. Doch vor allem die Vergabe 2026 spricht Bände. Österreich und die Schweiz haben gar keine Unterlagen eingereicht, denn die Bürger:innen waren dagegen. Kein Wunder, denn das IOC fällt in das Gastgeber-Land ein, nimmt die Gewinne mit und ist weg. Was das IOC mit dem vielen Geld anstellt ist mir jedenfalls schleierhaft. Steuern zahlen in der Schweiz, dem Stammsitz, jedenfalls nicht. Genauso wenig wie im Übrigen die UEFA und die FIFA.

In Schweden war die Zustimmung so niedrig, das Cortina und Mailand den Zuschlag erhielten. Doch vor allem Italiens Blankoscheck war wohl das entscheidende Argument. Der Staat unterstützt die Bewerbung finanziell, uneingeschränkt. Das wollte Schwedens Regierung nicht. Das wollte die Bundesregierung bei Hamburgs Bewerbung für die Sommerspiele 2024 übrigens auch nicht.

Die Winterspiele in Peking will anschauen wer will. An mir werden sie vorbeiziehen. Ich kann nicht emotional dabei sein, die Sportler:innen pushen und fasziniert sein, wenn ich weiß, dass in einer Provinz über eine Million Bürger:innen eingesperrt werden und China sich als tolles Land inszeniert. Es widert mich an. Es tut mir für die Sportler:innen unendlich leid. Für sie werden die Spiele gemacht, auf sie sollten sie zugeschnitten sein. Doch dieser Romantik braucht man sich nicht mehr hingeben. Die Zeiten scheinen vorbei zu sein.

Es bleibt nur eines: auf bessere Zeiten hoffen. Auf die Winterspiele in Cortina und Mailand beispielsweise. Olympische Spiele die vielleicht wie die 2006 in Turin werden. Fröhlich, offen, mit Schnee und dem olympischen Geist, den sie brauchen. Und in einem Land, dass die Welt gerne begrüßt, selbst Wintersport begeistert ist und die beste Küche der Welt bietet. Vielleicht fahre ich dann „runter“ nach Italien und sehe mir das Spektakel live an. Es wäre ein Traum von mir. Denn der Traum von Olympischen Spielen in Deutschland wird wahrscheinlich noch lange einer bleiben. Und das kann ich sogar verstehen.

Titelbild: Pixaby

Meine Entscheidung des „Boykotts“ hat übrigens diese tolle Dokumentation der ARD verstärkt:

ARD-Dokumentation: Wer braucht noch dieses Olympia?

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