Saisonrückblick I: Der Klatschen-Auftakt und ein kurzes Kapitel Pätzold

Am 24. Juli 2021 startete der FCI mit einer 3:0-Niederlage in Dresden in die neue Zweitliga-Saison. Eine blutjunge und auch sehr unerfahrene Mannschaft kassierte eine herbe Klatsche. Mit dem 3:0 waren die Schanzer noch gut bedient. Bereits am ersten Spieltag deutete sich eine Seuche an, die dem FCI über die ganze Saison begleiten sollte: das Verletzungspech.

Acht Akteure fehlten Roberto Pätzold bei seinem Trainer-Profi-Debüt. Darum feierten Jalen Hawkins, Merlin Röhl, Filip Bilbija, Thomas Keller und Dennis Eckert Ayensa ihr Zweitliga-Debüt. Eine Klatsche zum Auftakt ist angesichts der damals vorherrschenden Personaldecke kein Beinbruch. Eine Woche später hatte das Team die Chance zur Wiedergutmachung. Diese Chance schien das Team auch zu nutzen. Der FCI ging einer engen Kiste in Führung. Doch ein Tor von Patrick Schmidt in der 73. Minute und ein 45-Meter-Schuss von Tim Kleindienst, sorgten dafür, dass die Schanzer auf ihren Dreier weiter warten mussten. Die Partie hatte bis zum Heidenheimer Doppelschlag der FCI aber weitestgehend im Griff.

Der scheinbare Befreiungsschlag folgte für die Schanzer dann im DFB-Pokal. Gegen Erzgebirge Aue sorgte Fatih Kaya in der 79. Minute für die Entscheidung zum 2:1. Der erste Saisonsieg war im Kasten, der Jubel war groß. Jetzt schien die Saison endlich zu starten.

Der vermeintliche Befreiungsschlag. Trainer Pätzold herzt den erfolgreichen Joker Fatih Kaya nachdem Sieg gegen Erzgebirge Aue im DFB-Pokal.

Doch es dauerte nur ein Spiel später, bis der FCI nicht nur einen Schritt zurück machte, sondern einen ganzen Weitsprung. Am Böllenfalltor überrollte Darmstadt die Schanzer. Darmstadt ging mit einer 4:0-Führung in die Kabine. Die Lilien erzielten drei Tore innerhalb von fünf Minuten Die Spieler waren stets einen Schritt zu spät, machten einfache Fehler und brachten nicht mal den kleinen Zeh ins Spiel. 6:1 stand es am Ende! Ein kreidebleicher Roberto Pätzold rang um eine Erklärung auf der Pressekonferenz.

Mit null Punkten stand der FCI auf dem 17. Platz. Nur Kiel war mit null erzielten Toren und ebenfalls null Punkten noch schlechter. Doch die Abwehr der Schanzer durfte sich nach drei Partien gleich mal den Titel: schlechteste Abwehr um den Hals hängen. Der Ergebnisdruck stieg allmählich.

Gegen den 1. FC Nürnberg stand am Ende ein 0:0 bei dem Nils Röseler und Denis Linsmayer (kamen aus Sandhausen) ihre Debüts feierten. Die Abwehr wirkte stabiler. Das torlose Remis war ein kleiner Schritt nach vorne.

Alle Fotos: Roland Geier

In Sandhausen platzte dann endlich der Knoten. Bilbija stocherte die Kugel über die Linie und Kaya sorgte kurz vor dem Ende für die Entscheidung. 2:0! Der erste Sieg! Sind die Schanzer jetzt nun wirklich stabil und in der Saison angekommen? Mitnichten.

Denn dann kam das Spiel gegen Werder Bremen daher. Einer der Favoriten auf den Aufstieg hatte aber letztlich keine Mühe in Ingolstadt. Antonitsch Eigentor brachte Werder in Führung, ehe Weiser und Duksch das Ergebnis nach oben schraubten. Insbesondere bei Weisers Treffer fragte man sich: Wo zur Hölle war die Abwehr? Er spazierte leichtfüßig durch den Sechszehner und konnte in aller Ruhe abschließen.

Die Abwehr war die größte Baustelle. Insbesondere bei Flankenbällen war das Team sehr verwundbar. Nach vorne wurde oft mit langen Bällen agiert, die aber selten Erfolg brachten. Einzig das Pressing setzte die Gegner häufig unter Druck. Doch das hohe Tempo konnte die Mannschaft selten halten.

Tempo, Genauigkeit und ein schnelles Umschaltspiel brachte der FC St. Pauli am Millerntor auf den Rasen. Zander, Dittgen, Burgstaller und Buchtmann erzielten die Treffer in einem Spiel, in dem jeden letztlich klar wurde: okay FCI – wenn das so weitergeht wird das wirklich ein sehr kurzes Zweitliga-Intermezzo. Die Kiezkicker überrollten den FCI regelrecht. Sie spielten schnell, direkt und überbrückten das Mittelfeld ohne Probleme. Klar war St. Pauli in einer großartigen Verfassung. Doch so darf man sich trotzdem nicht präsentieren.

Allmählich stieg der Leidensdruck. Nach sieben Spieltagen hatte der FCI vier Punkte auf dem Konto. Der FCI reihte sich auf Platz 17 mit 18 Gegentoren ein. Nur Aue stand noch hinter dem FCI.

Das Spiel gegen Düsseldorf wurde zum Schicksalsspiel von Roberto Pätzold. Der FCI spielte lustlos und so hatte die Fortuna nicht wirklich Mühe einen 2:1-Sieg einzufahren. Roberto Pätzold wurde daraufhin von seinen Aufgaben entbunden. Mit ihm musste auch Florian Zehe als Sportchef den Verein verlassen. Die erste große Personalrochade ließ also nicht lange auf sich warten.

Pätzold der 2018 gegen den Hamburger SV blutjunge Spieler auf den Platz schickte, war immer wieder im Gespräch als FCI-Cheftrainer. Von 2015 – 2021 trainierte er die U19. Er hatte also einige der jetzigen Profis schon als Jugendspieler unter seinen Fittichen. Er scheute sich nicht, jungen Profis in der 2. Liga die Chance zu geben. Doch letztlich scheiterte er mit seiner Spiel-Idee. Aber wie sich mittlerweile herausstellt auch am Kader. Denn trotz kurzfristiger Verstärkungen mit Christian Gebauer oder Patrick Schmidt konnte keine Stabilität der Leistungen erwirkt werden. Und nach der Pleite in Darmstadt machte sich auch eine gewisse Ratlosigkeit bei ihm breit, zumindest hatte man das Gefühl, wenn man seine Pressekonferenzen verfolgte.

Das scheinbare Experiment scheiterte und ein neues startete.

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