Alle Beiträge von Maximilian

Saisonrückblick II: Unter Schubert geht der Horror weiter

Endlich wieder eine sorgenlose Saison, ohne Trainerwechsel. Das war der Plan des FCI. Doch am neunten Spieltag hatte André Schubert seinen ersten Arbeitstag auf der Bank der Schanzer. Auf Schalke sollte das Ruder rumgerissen werden.

Zuvor rumorte es wieder ordentlich im Gebälk. Peter Jackwerth krempelte mal schnell die Sportliche Leitung um. Schubert kam als neuer Trainer, Florian Zehe musste als sportlicher Leiter seinen Hut nehmen, ebenso Trainer Roberto Pätzold. Den Trainerwechsel vollzog der FCI übrigens am Abend der Bundestagswahl. Fünf Minuten bevor die ersten Wahlergebnisse veröffentlicht waren und ich beim Wahl auszählen weilte, kam die Meldung der Schanzer.

Jackwerth gab es ein konfuses Interview. Er trug den Kurs mit jungen Spielern und Pätzold als Coach zwar mit, aber überzeugt war er jedenfalls nicht. Gleichermaßen räumte Jackwerth aber ein, dass ihm die Informationen fehle, um beurteilen zu können ob der Weg gescheitert sei.

Hier das Zitat aus dem Blog-Beitrag: „Jackwerth setzt die Axt an: Pätzold und Zehe müssen gehen, Schubert kommt“, vom 27. September 2021:

Bereits vor dem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf zählte Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratsvorsitzender Peter Jackwerth im Donaukurier, den Trainer Roberto Pätzold und den sportlichen Leiter Florian Zehe öffentlich an. Es war ein konfuses Interview. Jackwerth ließ Geschäftsführung und die sportliche Leitung „gewähren“, kritisierte aber gleichermaßen die späten Einkäufe bei den Spielern. Außerdem antwortete er auf die Frage, ob der neue Weg gescheitert sei, wenn Pätzold scheiterte: „Dafür fehlen mir noch die Informationen. Ich habe mich ganz bewusst herausgehalten.“ 

Jackwerth betonte, das er seine Kontakte nutzte um Schubert zu verpflichten. Denn er sei mit Schubert schon öfters in Kontakt gewesen.

Gegen Schalke 04 waren jedenfalls keine nennenswerten Verbesserungen zu erwarten. Die Abwehr präsentierte sich zwar lange stabil, aber am Ende setzte sich die Klasse der Königsblauen durch. Endstand: 3:0. Am 08. Oktober schlug dann der FCI, den 1. FC Nürnberg in einem Testspiel mit 7:0. Die Aufritte danach jedenfalls machten wenig Hoffnung, das sich der FCI aus dem Tabellenkeller sich kämpfen kann.

Gegen Holstein Kiel konnte ein Punkt erspielt werden (1:1), gegen Aue verlor die Mannschaft mit 1:0, in Dortmund im DFB-Pokal 2:0 und im Derby gegen Regensburg mit 3:0. Vor allem die leblose grauenhafte gegen Regensburg verschärfte die negative Stimmung an der Donau.

Regensburg hatte keine Mühen gegen defensiv wieder konfus auftretende Schanzer.

Vor allem gegen Dortmund gab Schubert ein sehr konfuses Bild ab. Das Pokal-Spiel in Dortmund wurde mehr oder weniger als Ausflug abgetan. Siegambitionen räumte man sich selbst keine an. Nachdem Spiel gab es Äußerungen, dass man doch froh sein, nicht in die Verlängerung gegangen zu sein. Das ist auch eine Auffassung von Leistungssport. Nämlich keine.

Gegen Paderborn zeigte der FCI eine gute Partie. Kutschke vergab aus elf Metern und Kaya machte in der 70. Minute mit seinem 2:1 nochmal Hoffnung. Doch letztlich ging die Seuchenserie gegen Angstgegner Paderborn weiter. Gegen den Karlsruher SC teilte man sich die Punkte. Die Schanzer waren zu diesem Zeitpunkt neun Spiele sieglos. Dies änderte sich auch nachdem Gastspiel beim HSV nicht. Der FCI war zwar engagiert und zweikampfstark, doch individuelle Fehler und Harakiri in der Abwehr verhinderten einen Punktgewinn. Am Ende setzte sich der HSV mit 3:0 deutlich durch.

Nach 15 Spieltagen stand der FCI mit mickrigen sechs Punkten am Tabellenende. Der Rückstand auf den Tabellen-17. – damals Sandhausen – betrug sechs Punkte. Der Rückstand auf den Relegationsplatz und ersten Nichtabstiegsplatz betrug acht Punkte. Neun Tore nach 15 Spielen sprachen eine klare Sprache. Und Aue befreite sich erstmals aus dem Keller und stand auf Platz 15.

Bremser im Mittelfeld. Außer den einen oder anderen schönen hohen Steilpass brachte Marc Stendera im Mittelfeld nicht viel zu Stande. Hier beschwert sich lachend Stendera über die Elfmeterentscheidung für Regensburg. Bilder: Roland Geier.

Vor dem Spiel in Rostock brach beim FCI die Corona-Seuche aus. Wie sich herausstellte wurden nochmal intensive Gespräche geführt mit Spielern, sich doch impfen zu lassen. Ein achtvolles 1:1 holte die Mannschaft im Ostseestadion, obwohl 15 Spieler fehlten! Aufgrund der zahlreichen Rostocker Chancen hätte der FCI aber eigentlich klar verlieren müssen.

Das 1:1 in Rostock war zugleich auch die Abschiedsvorstellung von André Schubert beim FCI. Der stets lächelnde und das positiv heraufschwörende Trainer verabschiedete sich mit einer Horror-Bilanz aus Ingolstadt. Lediglich drei von möglichen 24 Punkte holte Schubert. Und die drei Punkte waren drei Remis.

Selten verpuffte ein Trainerwechsel-Effekt so abrupt, wie bei Schubert.

Schubert geht damit mit einem Punkteschnitt von 0,33 Punkte pro Spiel, als schlechtester FCI-Coach in die Geschichte ein. Selbst der Schnitt von Alexander Nouri war 0,38 Punkte pro Spiel besser.

André Schuberts Niederlagenserie legte auch den Grundstein für den Abstieg, das ist klar. Da sich die Mannschaft unter Rüdiger Rehm auch nicht groß verbesserte, hätte wahrscheinlich nicht mal Jesus Christus den FCI auf Kurs gebracht.

Aber das Kapitel Rehm ist das dritte und letzte Kapitel des Rückblicks.

Saisonrückblick I: Der Klatschen-Auftakt und ein kurzes Kapitel Pätzold

Am 24. Juli 2021 startete der FCI mit einer 3:0-Niederlage in Dresden in die neue Zweitliga-Saison. Eine blutjunge und auch sehr unerfahrene Mannschaft kassierte eine herbe Klatsche. Mit dem 3:0 waren die Schanzer noch gut bedient. Bereits am ersten Spieltag deutete sich eine Seuche an, die dem FCI über die ganze Saison begleiten sollte: das Verletzungspech.

Acht Akteure fehlten Roberto Pätzold bei seinem Trainer-Profi-Debüt. Darum feierten Jalen Hawkins, Merlin Röhl, Filip Bilbija, Thomas Keller und Dennis Eckert Ayensa ihr Zweitliga-Debüt. Eine Klatsche zum Auftakt ist angesichts der damals vorherrschenden Personaldecke kein Beinbruch. Eine Woche später hatte das Team die Chance zur Wiedergutmachung. Diese Chance schien das Team auch zu nutzen. Der FCI ging einer engen Kiste in Führung. Doch ein Tor von Patrick Schmidt in der 73. Minute und ein 45-Meter-Schuss von Tim Kleindienst, sorgten dafür, dass die Schanzer auf ihren Dreier weiter warten mussten. Die Partie hatte bis zum Heidenheimer Doppelschlag der FCI aber weitestgehend im Griff.

Der scheinbare Befreiungsschlag folgte für die Schanzer dann im DFB-Pokal. Gegen Erzgebirge Aue sorgte Fatih Kaya in der 79. Minute für die Entscheidung zum 2:1. Der erste Saisonsieg war im Kasten, der Jubel war groß. Jetzt schien die Saison endlich zu starten.

Der vermeintliche Befreiungsschlag. Trainer Pätzold herzt den erfolgreichen Joker Fatih Kaya nachdem Sieg gegen Erzgebirge Aue im DFB-Pokal.

Doch es dauerte nur ein Spiel später, bis der FCI nicht nur einen Schritt zurück machte, sondern einen ganzen Weitsprung. Am Böllenfalltor überrollte Darmstadt die Schanzer. Darmstadt ging mit einer 4:0-Führung in die Kabine. Die Lilien erzielten drei Tore innerhalb von fünf Minuten Die Spieler waren stets einen Schritt zu spät, machten einfache Fehler und brachten nicht mal den kleinen Zeh ins Spiel. 6:1 stand es am Ende! Ein kreidebleicher Roberto Pätzold rang um eine Erklärung auf der Pressekonferenz.

Mit null Punkten stand der FCI auf dem 17. Platz. Nur Kiel war mit null erzielten Toren und ebenfalls null Punkten noch schlechter. Doch die Abwehr der Schanzer durfte sich nach drei Partien gleich mal den Titel: schlechteste Abwehr um den Hals hängen. Der Ergebnisdruck stieg allmählich.

Gegen den 1. FC Nürnberg stand am Ende ein 0:0 bei dem Nils Röseler und Denis Linsmayer (kamen aus Sandhausen) ihre Debüts feierten. Die Abwehr wirkte stabiler. Das torlose Remis war ein kleiner Schritt nach vorne.

Alle Fotos: Roland Geier

In Sandhausen platzte dann endlich der Knoten. Bilbija stocherte die Kugel über die Linie und Kaya sorgte kurz vor dem Ende für die Entscheidung. 2:0! Der erste Sieg! Sind die Schanzer jetzt nun wirklich stabil und in der Saison angekommen? Mitnichten.

Denn dann kam das Spiel gegen Werder Bremen daher. Einer der Favoriten auf den Aufstieg hatte aber letztlich keine Mühe in Ingolstadt. Antonitsch Eigentor brachte Werder in Führung, ehe Weiser und Duksch das Ergebnis nach oben schraubten. Insbesondere bei Weisers Treffer fragte man sich: Wo zur Hölle war die Abwehr? Er spazierte leichtfüßig durch den Sechszehner und konnte in aller Ruhe abschließen.

Die Abwehr war die größte Baustelle. Insbesondere bei Flankenbällen war das Team sehr verwundbar. Nach vorne wurde oft mit langen Bällen agiert, die aber selten Erfolg brachten. Einzig das Pressing setzte die Gegner häufig unter Druck. Doch das hohe Tempo konnte die Mannschaft selten halten.

Tempo, Genauigkeit und ein schnelles Umschaltspiel brachte der FC St. Pauli am Millerntor auf den Rasen. Zander, Dittgen, Burgstaller und Buchtmann erzielten die Treffer in einem Spiel, in dem jeden letztlich klar wurde: okay FCI – wenn das so weitergeht wird das wirklich ein sehr kurzes Zweitliga-Intermezzo. Die Kiezkicker überrollten den FCI regelrecht. Sie spielten schnell, direkt und überbrückten das Mittelfeld ohne Probleme. Klar war St. Pauli in einer großartigen Verfassung. Doch so darf man sich trotzdem nicht präsentieren.

Allmählich stieg der Leidensdruck. Nach sieben Spieltagen hatte der FCI vier Punkte auf dem Konto. Der FCI reihte sich auf Platz 17 mit 18 Gegentoren ein. Nur Aue stand noch hinter dem FCI.

Das Spiel gegen Düsseldorf wurde zum Schicksalsspiel von Roberto Pätzold. Der FCI spielte lustlos und so hatte die Fortuna nicht wirklich Mühe einen 2:1-Sieg einzufahren. Roberto Pätzold wurde daraufhin von seinen Aufgaben entbunden. Mit ihm musste auch Florian Zehe als Sportchef den Verein verlassen. Die erste große Personalrochade ließ also nicht lange auf sich warten.

Pätzold der 2018 gegen den Hamburger SV blutjunge Spieler auf den Platz schickte, war immer wieder im Gespräch als FCI-Cheftrainer. Von 2015 – 2021 trainierte er die U19. Er hatte also einige der jetzigen Profis schon als Jugendspieler unter seinen Fittichen. Er scheute sich nicht, jungen Profis in der 2. Liga die Chance zu geben. Doch letztlich scheiterte er mit seiner Spiel-Idee. Aber wie sich mittlerweile herausstellt auch am Kader. Denn trotz kurzfristiger Verstärkungen mit Christian Gebauer oder Patrick Schmidt konnte keine Stabilität der Leistungen erwirkt werden. Und nach der Pleite in Darmstadt machte sich auch eine gewisse Ratlosigkeit bei ihm breit, zumindest hatte man das Gefühl, wenn man seine Pressekonferenzen verfolgte.

Das scheinbare Experiment scheiterte und ein neues startete.

Rehm geht mit Stürmern hart ins Gericht

Am kommenden Freitag könnte das endlich Tatsache werden, was sich seit Wochen andeutet: der Abstieg der Schanzer aus der 2. Bundesliga.

Und nun beginnt auch die Zeit der kritischen Aufarbeitung. Ein Grund warum die Schanzer am Ende wohl sang- und klanglos sich wieder verabschieden liegt im Angriff.

Lediglich 26 Tore erzielten die Schanzer in 30 Spielen (Torschnitt 0,86 / Spiel). Damit stellt der FCI die schlechteste Offensive der Liga. Die Kellerkinder Aue (29) und Dresden (28) stehen nur ein bisschen besser da. Sandhausen konnte immerhin schon 34-mal treffen.

Erschreckender wird die Bilanz, wenn man sich ansieht wer die Tore erzielt hat. Filip Bilbija, eigentlich Mittelfeldspieler traf fünfmal und ist damit Rekord-Torschütze in dieser Saison. Fatih Kaya traf dreimal, Dennis Eckert Ayensa, Stefan Kutschke und Patrick Schmidt (je zweimal). Also fielen streng genommen insgesamt 9 Stürmer-Tore.

Bei Ligakonkurrent Dynamo Dresden erzielte der Immendorfer Christoph Daferner alleine schon 12 der 28 Dynamo-Tore. Beim SV Sandhausen netzte Pascal Testroet 9-mal ein.

Die Offensivschwäche ist nur eine Ursache von vielen warum der FCI seit Wochen dem Abstieg entgegentaumelt. Mit den Stürmern ging Rüdiger Rehm auch nachdem Paderborn-Spiel hart ins Gericht. Wer bleibe, ist noch unklar. Auf jeden Fall muss im Angriff dringend etwas unternommen werden in Hinblick auf die neue Saison. Zu Florian Picks verstolpern konnte Rehm nur „dafür gibt es keine Erklärung“, sagen. Über Eckert Ayensas Beschweren bei der Auswechslung frage er sich ob es den Spielern aktuell überhaupt gelingt sich für andere Klubs zu empfehlen.

Selbst in den Seuchensaisons 2008/2009 (Abstieg aus der 2. Liga) traf der FCI 38-mal 2018/2019 (Abstieg Relegation) sogar 43-mal. Und auch beim Abstieg aus der 1. Bundesliga gelangen den Schanzern 36 Tore.

Die Schanzer Offensive ist also historisch schlecht. Die sportlichen Verantwortlichen Malte Metzelder und Dietmar Beiersdorfer werden hoffentlich schon fleißig auf Stürmersuche sein… In der Torschützenliste der 3. Liga finden sich jedenfalls einige spannende Kandidaten.

Kader: Wer geht den Weg mit in die 3. Liga?

Während Trainer Rüdiger Rehm das Wissen für sich pachtet zu haben was in 7 bzw. 8 Spielen noch alles geht, haben sich Fans und Medien fest darauf eingestellt dass der FCI, ab Juli wieder in der 3. Liga spielt. Angesichts 15 Punkten Rückstand auf den 15. Platz und lediglich drei Siegen ist das auch kein Wunder. Der FCI spielt in der 2. Liga historisch schlecht.

Jetzt wird bereits orakelt wer künftig mit dem FCI den Karren aus dem Dreck ziehen wird. Das Saisonende ist nahe. Einige Spieler vor allem Filip Bilbija und Merlin Röhl werden wohl von Bundesligisten umworben, andere könnten sich noch ins Schaufenster stellen.

Einige Medien haben bereits Spekulationen angestellt, die ich in dieser Tabelle sammle:

Nico Antonitschbleiben wohl
Michael Heinothbleiben wohl
Tobias SchröckVertrag bis 2024, bleibt wohl
Visar MusiliuVertrag für 3. Liga vorhanden
Nikola StevanovicVertrag für 3. Liga vorhanden
Maximilian NeubergerBleibeperspektive vorhanden
Thomas KellerBleibeperspektive vorhanden
Dominik FrankeBleibeperspektive vorhanden
Rico PreißingerBleibeperspektive vorhanden
Jonatan KotzkeBleibeperspektive vorhanden
Denis LinsmayerVertrag für 3. Liga vorhanden
Nils RöselerVertrag für 3. Liga vorhanden
Hans Nunoo SarpeiVertrag für 3. Liga vorhanden
Yassin Ben BallaVertrag für 3. Liga vorhanden
Dejan StovanovicKaufoption wäre vorhanden, fraglich für die 3. Liga
Robert JendruschVerbleib unklar
Fabijan BunticWechselwahrscheinlichkeit sehr hoch
Stefan KutschkeWechselwahrscheinlichkeit sehr hoch
Marcel GausWechselwahrscheinlichkeit sehr hoch
Dennis Eckert-AyensaWechselwahrscheinlichkeit sehr hoch
Christian GebauerWechselwahrscheinlichkeit sehr hoch (ausgeliehen von Arminia Bielefeld)
Florian PickKaufoption wäre vorhanden (Leihe von 1. FC Heidenheim)
Valmir SulejmaniFest verpflichtet von Hannover 96
Canigga ElvaVerletzt, Zukunft unbekannt
Fatih KayaVerletzt, Zukunft unbekannt
Justin ButlerAusgeliehen an Waldhof Mannheim
Jalen HawkinsAusgeliehen an den 1. FC Saarbrücken
Arian LlugiqiBleibeperspektive vorhanden
Merlin RöhlWechselwahrscheinlichkeit sehr hoch
Filip BilbijaWechselwahrscheinlichkeit sehr hoch
Patrick SchmidtVertragssituation offen

Für die Schanzer geht es jetzt nur noch darum sich mit Anstand aus der Liga zu verabschieden. Die Relegation oder gar der direkte Klassenerhalt sind absolut utopisch. Das 5:0 in Nürnberg hat sich als laues Lüftchen herausgestellt. Große Bedeutung kommt vor allen den beiden kommenden Spielen zu. Gegen Aue geht es darum den Anschluss auf Platz 17 nicht gänzlich abreißen zu lassen. Am 08.04. geht es beim Derby gegen Regensburg schlichtweg um die Ehre. Nur ein Derbysieg gegen den Jahn könnte noch einigermaßen mit dieser Grusel-Saison versöhnen.

Und zur Info. Die 3. Liga startet am 22. Juli in ihre neue Spielzeit. Und nicht vergessen Sky zu kündigen! Die 3. Liga überträgt live ausschließlich Magenta Sport von der Deutschen Telekom AG und immer wieder die dritten Programme der öffentlichen-rechtlichen Rundfunksender.

Mentalität und der Blick auf die Tabelle

Mentalität, wer darüber ausführliche Aufsätze lesen möchte, dem empfehle ich Catenaccio07, leidenschaftlicher Rot Weiss Essen-Fan und obendrein ebenfalls Catlover. In diesem Beitrag wird es auch über Mentalität gehen. In der aktuellen Lage scheint ein Drittliga-Duell zwischen Rot-Weiss Essen und den Schanzern wahrscheinlicher den je.

Es gibt einige die halten Mentalität für etwas unsinniges. Entscheidend sei die Qualität auf dem Platz. Die reine Qualität der Einzelspieler. Wie wichtig Mentalität ist, zeigt sich an drei Beispielen aus dem Weltfußball. 2005 führte die Startelf des AC Mailand im Champions League-Finale im Atatürkstadion in Istanbul zur Halbzeit 3:0. Die Welt war sich einig, das Spiel gewinnt Liverpool nie im Leben. Wie soll das gehen? Zu souverän war Mailand über Liverpool hinweggefegt. Es dauert aber in der zweiten Halbzeit lediglich acht Minuten bis es 3:3 stand. Natürlich war da auch Glück dabei. Aber ab dem 3:2 war es ein Spiel der Mentalität. Liverpools Torwart Dudek, der als Zappelmann im Elfmeterschießen in die Geschichte einging, hielt alles was auf sein Tor kam. In der Verlängerung hielt er mit einer Monsterparade gegen Schewtschenko die Reds im Spiel. Im Elfmeterschießen machte Liverpool dann das Wunder perfekt und holte sich den fünften Henkelpott in der Geschichte. Was die Einzelspieler anging war Milan damals turmhoher Favorit. Noch heute schallt mir der Kommentatoren-Spruch: „Here we go. Mircales are possible“ im Ohr.

Generell scheint Liverpool ein Verein der Mentalität zu sein. Legendär war ebenfalls das 4:0 im Champions League-Halbfinale-Rückspiel gegen den FC Barcelona. Die Reds machten das unmögliche möglich. Was erstens an der guten mitreißenden Stimmung im Stadion lag und natürlich auch daran, dass die Mannschaft den Glauben nicht verlor. Außerdem hat Liverpool seit Jahren nicht nur gute Einzelspieler sondern auch Mentalitätsmonster wie Andrew Robertson oder Jordan Henderson, die ihre Mannschaft mitreißen und mit guten Leistungen vorangehen.

Auch so ein Mentalitätsmonster war der FC Bayern. Nach der Niederlage im Finale dahoam fegte der FCB über die Bundesliga wie ein Sturm hinweg. Der Frust der bitteren Niederlage trug die Bayern bis nach Wembley. Dort krönten sie ihre Saison mit dem Champions League-Sieg und holten das Triple. Eine Trotzreaktionssaison die zu drei Titeln führte. Super-Cup usw. mal nicht eingerechnet. Einen großen Anteil am Titel hatte freilich damals auch der Trainer Jupp Heynckes der den Frust der Bayern-Spieler in positive Energie und Dominanz ummünzte.

Gegen St. Pauli hat beim FCI eben etwas entscheidendes gefehlt. Die Giftigkeit, die Galligkeit, der unbedingte Wille. Ohne diese Attribute gewinnst du grundsätzlich keine Fußballspiele, aber schon gar nicht im Abstiegskampf. Die drei Spiele zuvor müssen aber ordentlich eingeordnet werden. Der 1. FC Nürnberg verlor nachdem 5:0 gegen den FCI mit 4:1 in Karlsruhe. Die Schanzer holten gegen Sandhausen einen Punkt (0:0). Ein Rumpelspiel das insgesamt sehr chancenarm war. Sandhausen hat sich aber aber vom Abstiegsabgrund abgesetzt. Die Sandhäuser haben nun neun Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Auf die Relegation sind es dagegen nur ein Punkt.

Interessant ist dabei auch der Blick auf die gelben Karten. Während Rostocks Spieler 67-mal eine Verwarnung kassierten, sahen Schanzer „nur“ 50-mal den gelben Karton. Sandhausens Spieler wurden 58-mal, Aues 54-mal. Freilich sind Gelbe Karten kein Qualitätsmerkmal. Aber im Keller ist vor allem auch Aggressivität wichtig.

Gegen Bremen kickte der FCI zwar gut mit, doch Werder war drückend überlegen. Wären die Bremer mit ihren Chancen nicht so schludrig umgegangen hätten sie die Partie schon lange entscheiden können. Am Ende entführten die Schanzer einen Punkt aus dem Weserstadion, gerade weil Bremen die Partie solange offen ließ.

St. Pauli musste gegen die Schanzer nicht mal mit 100 % spielen. Die Schanzer hatten keinen Zugriff, kamen nicht in die Zweikämpfe und spielten nach vorne überhastet, ungenau und auch ohne genauen Plan. Natürlich wirbelte der Doppelwechsel Heinloth-Neuberger und Neuburger-Stevanovic die Defensive durcheinander. Doch nachdem 2:1 durch Burgstaller war noch genügend Zeit auf der Uhr um wieder ins Spiel zurückzukommen. Interessanter erscheinen hier die Spielerwechsel von Trainer Rüdiger Rehm. Bis zur 82. Minute wartete Rehm bis er nochmal einen Dreierwechsel vornahm und Kutschke, Sulejmani und Gaus brachte. Vor allem eine mögliche weitere Verletzung hätte ihm den Handlungsspielraum genommen, begründete Rehm seine Entscheidung nachdem Spiel. Also wartete er beim Stand von 3:1, bis kurz vor Schluss, wohlwissend dass die Mannschaft keine zwei Tore mehr erzielen wird.

Ob frühere Wechsel nochmal zum Anschlusstreffer geführt hätten, ist freilich hypothetisch. Aber bei so einem Rückstand in der Tabelle muss eben alles versucht werden. Egal gegen welchen Gegner. Wer der Gegner ist, zählt schon lange nicht mehr. Aber die Uhr tickt, gegen den FCI.

Das Delta auf den Relegationsplatz bleibt bei zehn Punkten, auf den ersten Nichtabstiegsplatz elf Punkte. Elf Spiele sind noch zu gehen, auf eine Siegesserie oder einen richtigen dauerhaften Ruck deutet noch nichts hin. Für den Relegationsplatz waren in den letzten Saisons 33 Punkte, 37 Punkte oder 35 Punkte nötig. Die Schanzer haben aktuell 15 auf dem Konto, Rostock 25 Punkte. Das Delta aus der Hinrunde ist eine gigantische Bürde für die Schanzer.

Erschwerend kommt noch dazu, dass die Schanzer als eigentlich erfahrene Abstiegskämpfer noch nie mit so einem großen Rückstand in die Rückrunde gingen. 2011/2012 und 2018/2019 waren es drei und in der Bundesliga vier (in der Bundesliga ging man am Ende mit fünf Punkten Rückstand ins Ziel). Diese Saison ging der FCI mit elf Punkte Rückstand in die Rückrunde.

Aufgeben ist niemals eine Option. Solange es theoretisch möglich ist, muss das Team kämpfen. Doch dafür ist mehr Mentalität auf dem Platz nötig. Den Gegner an der Mittellinie mal rabiat stoppen, sich gegen jeden Widerstand stemmen, mit vollem Risiko bei Rückstanden wechseln. Selbst dann, kann es bei der aktuellen Tabellen-Konstellation trotzdem nicht reichen. Aber dann können sich Trainer und Spieler nichts vorwerfen lassen.

Alle Bilder: Roland Geier