Archiv der Kategorie: Kommentar

Stendera und Beister müssen gehen: richtig so.

Der FC Ingolstadt 04 nimmt personelle Einschnitte vor. Vor dem Jahresauftakttraining gab der FCI bekannt, dass Marc Stendera, Patrick Sussek, Maximilian Beister, Peter Kurzweg und Torwart Lucas Schellenberg Vereinswechsel nahe gelegt worden sind. Sie trainieren nicht mehr beim Team mit.


Der Klub gab eine Kaderverkleinerung bekannt und liefert sie. Sportlich sind die Entscheidungen bei Marc Stendera und Maximilian Beister durchaus nachvollziehbar. Trainer Rüdiger Rehm und die sportliche Leitung wollen ein klares Zeichen an den Restkader senden. Wer jetzt dem großen Wunderziel Klassenerhalt nicht alles unterordnet, fliegt.

Marc Stendera blieb insbesondere in dieser Saison vieles schuldig. Das einstige Wunderkund von Eintracht Frankfurt konnte kein Tor erzielen und bereitete keinen Treffer vor. Oftmals hatte man bei Stendera auch den Eindruck, das Mitarbeiten in der Defensive nicht sein Ding ist. Bei Ballverlusten wirkte er oft trotzig und nicht entschlossen den Ball wieder zurück zu erobern. Auch seine Standards waren schlichtweg eine Katastrophe. Doch auch hier zeigten sich keine Verbesserungen, obwohl Schwächen hier offensichtlich waren. Auch bei Hannover 96 endete sein Engagement bereits früh (September 2019 – Juni 2020), jetzt muss er sich abermals einen neuen Klub suchen.


Die Personalie Maximilian Beister ist wohl die umstrittenste. Nach langen Fordern der Fans bekam Beister Einsatzzeit. Er sorgte für mehr Zug Richtung Tor, doch treffen konnte der Stürmer nicht. Nachdem Beister im Derby gegen Regensburg ein Abseitstor erzielte, wurde Trainer André Schubert auf der Pressekonferenz gefragt, warum er Beister nicht öfters die Chance gebe. Schubert verwies dabei auf seine Trainingsleistungen. Man steckt zu 100 Prozent in der Sache drin. Doch schlechte Trainingsleistungen sind einem schön öfters von verschiedenen Seiten über Beister zu Ohren gekommen. Nach neun Einsätzen in dieser Saison, mit einer Vorlage endet seine Zeit beim FCI nun vorzeitig. Insgesamt brachte es Beister, der bei Düsseldorf und beim HSV seine beste Zeit hatte auf 51 Einsätze und acht Tore im Trikot der Schanzer.


Peter Kurzweg kam in dieser Saison fast gar nicht mehr zum Zug. Patrick Sussek ist eine bittere Personalie, nach seiner Langzeitverletzung muss der gebürtige Ingolstädter nun sich einen neuen Verein suchen. Extrem schade, aber nachvollziehbar aus Klubsicht.


In der Defensive verlässt Jan-Hendrik Marx die Schanzer gen Drittligist Braunschweig. Marx konnte beim FCI nie richtig Fuß fassen. Justin Butler soll beim Drittligisten Waldhof Mannheim Spielpraxis sammeln. Leihgabe Andreas Paulsen von Borussia Mönchenglachbach wird aller Voraussicht nach laut Kicker wieder zu den Fohlen zurückkehren.

Von angezählt kann bei Buntic zwar nicht die Rede sein. Stojanovic wird aber sich aber nicht aus Jux und Tollerei an die Donau verleihen haben lassen. Bilder: Roland Geier

Fragezeichen rief auch der Transfer des Torhüters Dejan Stojanovic hervor. Stojanovic kommt als Leihspieler vom FC Middlesbrough inklusive Kaufoption. Bei St. Pauli absolvierte er vergangene Saison 19 Spiele. Beim englischen Zweitligisten Middlesbrough ist der Torwart nordmazedonisch-österreichischer Herkunft noch nicht angekommen. Stojanovic könnte einen möglichen Kampf um die Nummer 1 anschüren. Robert Jendrusch durfte bisher einmal für Fabijan Buntic ran. Gegen Hansa Rostock zeigte Jendrusch eine gute Leistung. Insbesondere beim Rausgehen zeigte er seine Stärken. Stärken über die Buntic nicht verfügt. Buntic ist auf der Linie brutal stark, beim Rausgehen und bei der Strafraumbeherrschung bei Ecken wirkt er oftmals nicht so souverän. Gut möglich, dass Rüdiger Rehm bei den Torhütern richtig Feuer reinbringen möchte und nun einen Torhüterwettkampf ausruft.
Bekanntermaßen gehören Torhüterwechsel bei neuen Trainern durchaus zu den klassischen Moves. Hierarchien aufbrechen, Wettbewerb schüren, Kampf im Training auslösen. Aus Jux und Tollerei wird Stojanovic jedenfalls nicht an die Donau gekommen sein.

Mehr Optionen bekommt der FCI durch Fatih Kaya, Yassin Ben Balla und Canaggia Elva. Alle drei sind nun wieder voll im Trainingsbetrieb.

Personell ist also beim FCI vieles in Bewegung. Vor harten personellen Entscheidungen schrecken Dietmar Beiersdorfer und Trainer Rüdiger Rehm nicht zurück. Konkurrenz belebt bekanntermaßen das Geschäft. Ob es die Maßnahmen auch Punkte bringen wird sich zeigen. Doch die Grundrichtung stimmt Rüdiger Rehm hat nur bis zum 16. Januar Zeit mit der Mannschaft zu arbeiten. Dann soll die Aufholjagd beginnen, beim 1. FC Heidenheim.

Olympia 2020: Deutschlands blamage und eberls irrtum

Die Olympischen Spiele sind das größte Sportereignis der Welt. Viele Sportarten und Sportler:innen sind für wenige Wochen im ganz großen Rampenlicht. Sportarten, die sonst wirklich unter den Teppich landen und nicht mal bei Spartensendern laufen.

Wer die grenzenlosen Emotionen der Sportler:innen bei Olympia sieht, kann sich ansatzweise vorstellen, was vielen eine Teilnahme oder eine Medaille bedeutet. Der deutsche Männerfußball hat bei diesen Spielen in Tokio gezeigt, wie wichtig ihm Olympia ist. Nämlich gar nicht. Trainer Stefan Kuntz telefonierte nach eigenen Angaben 100 Spieler ab. Am Ende reisten 15 Feldspieler und drei Torhüter nach Tokio. Drei Kaderplätze wurden nicht besetzt. Die Olympia-Mannschaft konnte sich nicht einspielen und scheiterte am Ende in der Vorrunde, nach einem 2:4 gegen Brasilien, 3:2 gegen Saudi-Arabien und einem 1:1 gegen die Elfenbeinküste. Der Turnier-Spirit der 2016 zu Silber führte, konnte gar nicht einsetzen. Denn, ohne den Spielern nahe treten zu wollen; der Kader hatte nicht die Qualität für eine Medaille. Es fehlten einfach wichtige Stützen, um die junge Truppe führen zu können.

Bedenklich stimmt vor allem, dass Kuntz regelrecht betteln musste um Spieler. Die Vereine stellen reihenweise ihre Spieler nicht ab. Bayerns Nummer drei Ron-Thorben Hoffmann durfte nicht nominiert werden. Die neue Bundesliga-Saison startet erst kommende Woche. In der Regionalliga Süd steht bei Bayern II steht Jakob Mayer zwischen den Pfosten. 

Es kam kein Olympia-Feeling auf, kritisierte Kuntz. Denn die Mannschaft wurde regelrecht abgeschirmt. Natürlich wegen Corona. Vor allem die Stimmung im Olympischen Dorf soll laut vieler Sportler:innen immer ein großes Erlebnis sein. Doch fehlender Stimmung und Abschirmung zum Trotz, vertritt die DFB-Auswahl, Deutschland bei den Olympischen Spielen. Und das Verfahren im Vorfeld war eine bodenlose Frechheit. 

Scheinbar war es nicht möglich einen schlagfertigen Olympia-Kader zusammenzustellen. Die Vereine blockierten. Und keiner hat verlangt, dass die Vereine Europameisterschaftsfahrer abstellt. Anders als es die Spanier machen. Dort kickt zum Beispiel Dani Olmo nach der EURO, bei Olympia mit. Unfassbare Belastungen! 

Gladbachs Manager Max Eberl sagte der Rheinischen Post: „Für ihn habe das Olympische Fußballturniert nicht den Stellenwert, wie eine Welt- oder Europameisterschaft. Das mag sein. Aber es lässt in der Fußball-Blase mal wieder tief blicken. Mit Europa- und Weltmeisterschaften lässt sich halt viel mehr Geld verdienen als mit Olympiafahrern. 

Spannend ist in diesem Kontext jedoch, dass die US-amerikanische Basketball-Mannschaft seit Ende der 1980er-Jahre regelmäßig ihre besten Kader zu den Olympischen Sommerspielen schickt. Legendär war der Auftritt bei Olympia 1992 in Barcelona, als das „Dream-Team“ mit hohen Vorsprüngen die Partien gewann und Gold holte. Und auch die NBA ist finanziell in ganz anderen Ligen unterwegs. Doch den US-Amerikanerin ist wichtig, ihre bestmögliche Mannschaft auf das Parkett zu schicken. Olympia-Gold in „ihrer“ Sportart Basketball ist Pflicht. 

Fast schon vergessen ist da die Silber-Medaillie der Fußball-Herren in Rio de Janeiro 2016. Damals waren auch zwei Schanzer mit dabei. Max Christiansen (heute: Greuther Fürth) und Robiert Bauer (aktuell vereinslos) holten olympisches Silber. Damals standen u. a. Philipp Max, Nikas Süle, Matthias Ginter, Lars und Sven Bender, Julian Brandt, Serge Gnabry, Leon Goretzka und Nils Petersen im Olympia-Kader. Es war die erste Olympia-Teilnahme der Fußball-Herren seit 1988 in Seoul. Damals holte Deutschland Bronze. 

Die Olympia-Norm bildet im Übrigen die U21-Europameisterschaft. Wer es ins Halbfinale schafft, qualifiziert sich für die Olympischen Spiele. 2024 finden die Sommerspiele in Paris statt. Die U21-EURO in Rumänien / Georgien wird also das Qualifikationsturnier für die DFB-Mannschaft. Vorher sollten sich die deutschen Fußballfunktionäre vielleicht darüber verständigen, ob Deutschland bei einer erfolgreichen Qualifikation für Olympia, überhaupt teilnehmen möchte. Andere Länder würden sich über den Platz im Feld des Fußballturniers freuen. Oder Deutschland schickt eine starke und stolze Mannschaft nach Paris. Denn bei Olympia mag es zwar keine großen Preisgelder geben. Aber es geht um den Respekt auch gegenüber den anderen Sportler:innen und auch für Fußballer sind Olympische Spiele ein einmaliges Erlebnis. Und nach Bronze 1988 in Seoul und Silber 2016 in Rio, wäre eine Olympische Goldmedaille doch mal ein ambitioniertes Ziel für den deutschen Fußball.  

Die deutsche Frauen-Mannschaft gewann 2000 in Sydney, 2004 in Athen und 2008 in Peking, Bronze. 2016 kürten sich die Frauen zum Olympiasieger. Für die Spiele in Tokio verpassten sie die Olympia-Norm. Aber ich bin mir sicher, Bundestrainerin Voss-Tecklenburg hätte nicht betteln gehen müssen für einen schlagfertigen Kader. 

Weltfußball: Wer zahlt schafft an

Ich habe bereits öfters darübergeschrieben, was ich davon halte, dass der Fußball als „Vorbild“ gilt. Aber bei dieser EURO fühle ich mich wieder dazu genötigt, bei einigen Themen in diese Kerbe zu schlagen.

Volle Stadien: Geht´s noch?

Budapest, Kopenhagen und London haben ihre Stadien großzügig ausgelastet. Dafür wurde auch die UEFA massiv kritisiert. Fakt ist: dass am Ende die Länder großzügig aufgestockt haben. München blieb bei seinen 14.000 Zuschauern. Wenn die Politik und die Behörden, mehr Zuschauer gelassen hätten, wäre es so gewesen. Die UEFA hat vor allem auf London massiven Druck ausgeübt. Aber die Moderatoren des Podcasts Players vom Deutschlandfunk sagten treffend: Zu einem der erpresst, gehört auch immer einer dazu, der sich erpressen lässt. Bei der massiven 60.000-Zuschauer-Politik von Boris Johnson, schwingt vor allem ein sportpolitisches Interesse mit. England möchte sich für die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 bewerben. Die UEFA hat bereits angekündigt, die Bewerbung zu unterstützen. Doch volle Stadien in den Finalspielen lassen die Unterstützung bestimmt anwachsen. Zumal England mit starker Konkurrenz aus Südamerika bei der WM-Vergabe rechnen muss. Denn die Südamerikaner wollen die WM zum 100-jährigen WM-Jubiläum wieder ihren Kontinent holen. Und ohne Zweifel steckt bei Johnson eine populistische Politik-Linie dahinter. 

Finde ich die Politik der genannten Städte gut? Nein. Aber ich muss mich als Fußball-Fan nicht dafür geißeln lassen, wenn Politiker die Stadien voll machen. Punkt. 

Greenwashing bei den UEFA-Sponsoren

VW wirbt mit seinen Elektro-Auto, chinesische Firmen werben bei der UEFA EURO. Damit wird sogenanntes Greenwashing betrieben. Sein Image also reinwäscht, mit Sportsponsoring. Kein neuer Move. Darüber kann man sich zu Recht aufregen. Aber leider im Weltsport auch nichts neues. Denn der FC Bayern nimmt ebenfalls Millionen aus Katar und hält seit einigen Jahren dort sein Wintertrainingslager ab. Muss man das unterstützen als Klub? Nein, muss man nicht. Fakt ist aber auch. Im Sport war das Geld schon immer entscheidend. Das ist keine neue Entwicklung. Sie spitzt sich immer mehr zu. Denn gefühlt wird in den Fußball, in die Wettbewerbe, Sponsoring so viel Geld investiert wie nie. Aber auch in anderen Bereichen des Lebens zeigt sich: wer zahlt, schafft an. 

Projektion in den Fußball

Fairplay ist für mich das A und O. Dem anderen Spieler hochhelfen, nach einem Foul. Nach der Niederlage die Gegenspieler abklatschen. Bei einem Handspiel mal zum Schiri gehen und sagen: Hey das war Hand. Die Grundlagen halt. Das erwarte ich von Fußballspielern. Ich erwarte von Spielern grundsätzlich keine politische Meinungsäußerung. Sie können es tun, müssen es aber nicht. In den Fußball wird zu viel hineinprojiziert. 

Keiner will Nazis, homophobe oder rassistische Menschen in den Stadien haben. Niemand. Aber zur Wahrheit gehört auch. Auf der Tribüne wird die Gesellschaft abgebildet. Genauso wie im Job. Man darf sich da keinen Illusionen hingeben. Ein gewisser Anteil der Bevölkerung ist kriminell. Also werden diese Kriminellen auch teilweise in Brot und Butter sein und arbeiten. Diese Personen gehören aus dem Stadion herausgedrängt, keine Frage. Und der Fußball kann seinen Beitrag leisten mit Regenbogen-Kapitänsbinden und Anti-Rassismus-Kampagnen. Doch letztlich muss die Gesellschaft selbst dafür sorgen, solche Menschen aufzuklären. Der Fußball alleine wird es nicht schaffen. Ich möchte damit solches Verhalten nicht entschuldigen ganz im Gegenteil. Aber man muss die bittere Realität nun mal anerkennen. Auch Fan-Projekte, für das lange in Ingolstadt gekämpft wurde, tragen ihren Teil bei. 

Außerdem muss der Fußball auch hier vor seiner eigenen Haustüre kehren. Immer noch gibt es im deutschen Fußball keinen aktiven Fußballspieler der sich als homosexuell geoutet hat. 

Fußballer als Vorbild

„In jedem Kader gibt es fünf richtig blöde Spieler. Von denen würde einer auf jeden Fall unter der Brücke landen, wenn er nicht Fußball spielen würde“, sagte Hans Meyer einmal. Fußballer als Vorbilder? Vielleicht taugen Fußballer als Vorbilder, wenn Torhüter richtig geile Paraden abliefern. Wenn ein Spieler grandiose Freistöße schießt. Aber generell sind Fußballer kein Vorbild. Dafür ist Fußball erstens viel zu emotional. Fußballer hauen nachdem Spiel (ab und zu) mal einen raus im Interview. Wenn sie mal einen raushauen, schreit die Republik auf. Vorbildfunktion. Was denken denn die Leute? Wenn ein Spieler nach einer Niederlage vor die Mikros geht? Das er frohlockt? Wenn er eine Phrase drischt, sind die Spieler zu aalglatt. Was denn nun? Wollen wir Spieler, die immer das gleiche verzapfen, schön eingeübt mit dem Pressesprecher. Oder wollen wir emotionale Spieler die mal einen raushauen? 

Spieler taugen nur bedingt als Vorbild. Da kommt mal ein Spieler um die Ecke, der ein Video rumschickt, in dem er masturbiert. Woanders zeigen Fußballer wie Christian Pulisic ihre Fußball-Skills über einem Meerestier und stürzen dann ins Wasser. 

Der Fußball ist zu emotional. Spieler taugen nicht als Vorbild, nicht pauschal. Manche ja. Manche Eigenschaften ja. Aber Spieler pauschal als Vorbilder auszurufen, ist Schwachsinn. 

Kritische Turniervergaben

Das die FIFA die Weltmeisterschaft 2022 nach Katar vergeben hat, ist absoluter Wahnsinn. Es ist ein Schlag ins Gesicht, für jeden der diesen Sport liebt. Denn Katar hat mit Fußball gar nichts zu tun. Hier haben reiche Menschen mit Scheinen gewedelt und die Funktionäre haben brav abgestimmt. Menschenrechte spielten bei der Vergabe absolut keine Rolle.

Bei Sportveranstaltungen ist das leider keine Seltenheit. Das IOC (Internationale Olympische Komitee) ist genauso ein korrupter Haufen. Denn 2008 fanden die Sommerspiele in Peking statt. Und China ist wirklich sehr für die Einhaltung der Menschenrechte bekannt. Bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2002 Salt Lake City war jede Menge Schmiergeld im Spiel. Die Entscheidungen des IOC sorgten vor allem im neuen Jahrtausend immer wieder für Kopfschütteln. Die Attraktivität Spiele auszurichten nimmt immer mehr ab. Viele traditionellen Wintersport-Orte zogen ihre Bewerbungen immer wieder frühzeitig zurück. Vor allem weil die Bevölkerung sich gegen die Spiele ausspricht. Die Sommerspiele 2024 und 2028 wurden zwischen Paris und Los Angeles „aufgeteilt“, weil es schlichtweg an Bewerbern mangelte. Das IOC muss mittlerweile regelrecht um Gastgeber betteln. Bei den Sommerspielen wurde der Vergabemodus jetzt geändert. Das IOC geht nun offensiver auf mögliche Bewerber zu. Um das Verfahren auch transparenter zu machen. 

Beim Weltfußball ist eher das Problem, dass der Investitionswille ungebrochen ist. In Europa wird auch viel Geld reingepumpt in den Sport. Doch es ist vor allem der Nahe Osten, der den Geldbeutel aufmacht. Nach wie vor gilt Asien als gigantischer Wachstumsmarkt für den Fußball. Der Fußball begeistert Milliarden Menschen auf der Welt. Und solange es immer noch Staaten und Organisationen gibt, die hier massiv investieren, wird sich bei der UEFA und FIFA nichts ändern. Wo wie wieder beim Thema sind: Wer zahlt, schafft an.

Doch höchstkritische Turniervergaben sind kein neuer Zeitgeist. In der heutigen Zeit wird mehr auf Menschenrechte geschaut. Das ist auch richtig und wichtig. Die Weltmeisterschaft 1978 fand in Argentinien statt. In Argentinien herrschte damals eine brutale Militär-Diktatur. 1966 vergab die FIFA die Turniere 1974, 1978 und 1982. Zur Zeit der Vergabe herrschte auch in Spanien noch die Militär-Diktatur von Francisco Franco. Als 1982 der Fußballzirkus sich auf der iberischen Halbinsel einfand, war Spanien erst fünf Jahre wieder demokratisch.

2018 ging die WM nach Russland. Auch hier wurden Funktionäre geschmiert um für Russland zu stimmen. Aber auch aus politischen Gründen war die Vergabe nach Russland kritisch. Doch mit der Vergabe der WM 2022 setzte die FIFA dem ganzen Wahnsinn die Krone auf. Zumal auch die USA einen guten Gastgeber abgegeben hätte.  

Was lässt sich abschließend sagen? Soll man einfach die Hände in den Schoß legen? Nein, kritisch hinschauen und auch Kritik üben. Wir können nur mit unserem eigenen handeln zum Teil einen Wandel vollziehen. Wer in der Türkei Urlaub macht, darf nicht schreien, dass die Türkei Menschenrechte nicht achtet. Wer zuhause bleibt, verbessert die Situation vor Ort zwar nicht, handelt aber konsequent. Und konsequentes handeln ist schon viel wert. Selbst mit gutem Beispiel vorangehen, hilft. Sich selbst einsetzen, dafür werben. Aber niemand darf so illusorisch sein, die Mächte UEFA und FIFA zu verändern. Wer zahlt, schafft an. Und wer mit sich selbst im reinen ist, braucht keine Vorbilder, die oftmals keine sind.  

Personalwechsel: Der FCI lässt sich nicht vom Erfolg blenden

Michael Henke und Tomas Oral mussten nach dem erfolgten Aufstieg gehen. Beide erreichten mit dem FCI das gesteckte Saisonziel: Aufstieg. Doch die Verantwortlichen im Verein haben sich nicht vom Erfolg blenden lassen und die richtigen Schlüsse gezogen.

Warum sollte man, wenn es vermeintlich läuft Köpfe auswechseln. Eine berechtigte Frage. Doch der FCI hat sportlichen Sachverstand bewiesen. Tomas Oral und Michael Henke verlassen den FCI. Beide Personalien sorgten vor allem in den letzten beiden Runden für viel Aufsehen. Den Verantwortlichen fehlte die nötige Überzeugung, dass mit beiden der Klassenerhalt in der kommenden Saison zu schaffen ist. Außerdem hieß es über Tomas Oral, dass die Verhältnisse mit einigen Spielern zerrüttend sind. Wer den FCI schon länger kennt, wird feststellen, das hatten wir schon mal. Für diese Schritte muss man den Hut ziehen.

An der Seitenlinie steht künftig Roberto Pätzold. Jener Coach der mit seiner Jungschanzen-Elf „damals“ gegen den HSV u. a. Fatih Kaya und Fabijan Buntic zum Profi-Debüt verhalf. Beide gehören mittlerweile zum Schanzer Stammpersonal und haben ihre nächsten Schritte gemacht. Pätzold kennt den Klub als ehemaliger U19-Trainer wie seine Westentasche. Passiven Fußball wird es mit ihm nicht geben, kündigte der gebürtige Berliner bereits auf seiner Vorstellungspressekonferenz an. Er will das der FCI „aktiv“ Fußball spielt.

Auf Seiten des Managements, stößt Malte Metzelder zum Klub. Metzelder absolvierte zwischen 2007 und 2014, 109 Spiele für den FCI. Metzelder übernimmt die Rolle des „Manager Profifußball“ bei den Schanzen. Zuvor war Metzelder bei Preußen Münster tätig.

Die Schanzer haben mit Blick auf die 2. Bundesliga „alte Zöpfe“ abgeschnitten. Ein reifer Schritt. In den Jahren zuvor wurde oftmals sehr lange an Personalien festgehalten. Der Schritt wirkt wie ein harter Schnitt, ist aber wohl überlegt. Angesichts der gewählten Personalien, blicke ich optimistisch und voller Freude auf die kommende Saison.

Beitragsbild: FC Ingolstadt 04

Die Bundesliga hat sich frei getestet. Und was ist mit den Bürgern?

Gestern gegen 22:00 Uhr war ich zuhause von meinem Nebenjob. Dann schaute ich mir die letzten 10 Minuten des Zweitliga-Spitzenspiels Düsseldorf – Bochum an. Danach schaltete ich bei einer Tasse Kaffee auf Phoenix um. In der naiven Annahme bis Mitternacht kommen Müller, Merkel und Söder hoch aufs Podium und verkünden irgendwelche neue Regeln für unser Land.

Doch es dauerte nicht lange, bis einige Zeitungen meldeten, mittlerweile wird in Kleingruppe beraten. Vor Mitternacht sei mit Ergebnissen nicht zu rechnen. Bis halbeins harrte ich aus. Meine Freundin wechselte  zum Dösen vom Schlafzimmer auf die Couch. Da ich sie nur für eine halbe Stunde zum Abendessen sah, bevor ich zum Nebenjob ging und dabei 2,5 Stunden ein Kaffee-Regal bestückte. Damit die geizigen Deutschen sich vom Glück geschwängert, an reduzierten Angebotskaffee ergötzen können.

Um circa 23:00 Uhr titelte die Augsburger Allgemeine online: „Streit um Urlaub eskaliert.“

Es wurde wie ich heute Morgen erfuhr, kurz nach 2:00 Uhr bis die MPK neue Beschlüsse vorlegte. Diese sind so viel sei vorneweg gesagt, an Schwachsinnigkeit nicht zu übertreffen.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb heute in einem Kommentar: „..es wirkte wie ein skurriler Tauschbasar, an dessen Ende vor allem ein Eindruck blieb – der vollkommener Willkür.“

Besser kann man es in einem Satz nicht ausdrücken. Doch bevor ich zu den neuen Beschlüssen – die den Geist der politischen Hilflosigkeit atmen – komme, möchte ich erstmal über den Fußball reden.

Meine Meinung steht schon lange fest, der Fußball an sich taugt nicht als Vorbild. Nicht in Sachen Moral und schon gar nicht für uns Menschen. Er kann höchstens Vorbild bei der Bekämpfung von Rassismus und menschlichen Grenzen sein. Denn im Stadion ist es meistens egal, aus welchem Land, welche Hauptfarbe man hat oder welche sexuelle Orientierung man hat. Es zählt das einfache Spiel. Und die schlichte LEIDENschaft dafür.

Doch der Fußball war im vergangenen Jahr die Branche, die für einen gesellschaftlichen Diskurs sorgte. Durch ein Hygiene-Konzept schwamm sich die DFL samt DFB (mit ihrer 3. Liga) frei. Der Ball durfte wieder rollen. Ohne Zuschauer, mit Isolation, Tests und Hygienekonzept. In der 3. Liga endete die Diskussion in einem Scharmützel zwischen den Klubs und dem DFB. Eine gute Figur machte dabei keiner. Die DFL räumte das Thema sauber ab und die Profis aus der 1. und 2. Bundesliga kickten munter. Das Volk erfreute sich. Zumindest der Teil der Bevölkerung, der Fußball mag oder gar liebt. Alle anderen die Fußball doof finden, fanden das Kicken unter Auflagen für blanken Hohn. Das kann ich sogar nachvollziehen. Denn „damals“ war dieses Voranpreschen der DFL durchaus ein großes Wagnis. Ein Spaltpilz. 

Fast ein Jahr später, rollt der Ball weiter in den ersten drei Profiligen. Auch weitere Hallensportarten wie Eishockey oder Basketball sind am Spielen. Doch im „realen“ Leben sind wir immer noch keinen Schritt weiter. Auf, zu, auf, zu. Wir haben immer noch nicht flächendeckend Schnelltests für Schulen, Unternehmen, Kindergärten usw. Das Impfen stockt, weil erstens zu wenig bestellt wurde, nicht logisch gedacht wurde und Deutschland halt ein Land bleibt, in dem ohne ein Blatt Papier, einfach nichts wert ist. Heißt Bürokratie ohne Ende. 

Nach über einem Jahr, sind die Schulen immer noch nicht digital ausgestattet. Die Strategie der Regierung bleibt die Gleiche. Lockdown, beschränken, bisschen öffnen, Lockdown, beschränken. Die Bundesliga hat sich vor über einen Jahr frei „getestet.“ Aber für das gemeine Fußvolk hat die Politik immer noch keine Lösungen. Die Politik hat ihre Bevölkerung verloren. Weil die Bevölkerung verstanden hat, was alles schief gelaufen ist. Die Länder und der Bund zeigen gegenseitig auf sich. Schuld will keiner so richtig sein. Doch umso schlimmer. Es gibt auch keinen der was anschiebt. Entscheiden, entscheiden, tun, tun – sind die Stichworte. Wir brauchen Macher*innen im politischen Berlin. Stattdessen greifen wir wieder in die Schublade „zusperren.“ Und gestern hat die MPK halt zwei neue „Ruhetage“ sich erwürfelt. Was sollen diese zwei Ruhetage bringen? Abgesehen davon, dass heute Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann erklärte, der Begriff Ruhetag muss rechtlich noch final geklärt werden. Aha, verstehe. Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten beschließen Ruhetage und wissen gar nicht genau, was diese Ruhetage überhaupt sind? Feiertage, Urlaubstage? Wer bezahlt das am Ende? Die Lenker der Unternehmen werden heute mit vielen Fragezeichen durch den Tag gegangen sein. Das Schließen des kompletten Handels am Gründonnerstag wird dazu führen, dass am Mittwoch die Läden gestürmt werden. An Karsamstag dagegen kann wieder eingekauft werden. Was soll das bringen?

Und umso ernüchternder ist vor allem eins. Die Unternehmen stehen mit ihrer Infrastruktur und ihren Betriebsärzt*innen in den Startlöchern und wollen impfen. Doch erstens fehlt Impfstoff und zweitens fehlt die Freigabe der Politik. Aus den Beschlüssen der Bundeskanzlerin mit der MPK lässt sich folgendes zitieren: „Anfang April werden die Wirtschaftsvebände einen ersten Umsetzungsbericht vorlegen wie viele Unternehmen sich beteiligen. Auf dieser Grundlage und der Grundlage eines eigenen Monitorings wird die Bundesregierung bewerten, ob regulatorischer Handlungsbedarf in der Arbeitsschutzverordnung besteht.“ 

Heißt es kann sich nur noch um Wochen, vielleicht Monate handeln. Wertvolle Wochen und Monate. Diese Konferenz von gestern Nacht lässt mich wütend, aber auch ratlos zurück. Als Bürger habe ich das Gefühl, die Bundesregierung samt Landes- und Staatsregierung haben die Kontrolle verloren. Die aktuelle Strategie, oder was auch immer, ist vom falschen Ende gedacht. Tests und Impfungen sind der Schlüssel zum Erfolg. An beiden mangelt es ohne Ende. Im Beschlusspapier der MPK steht bei Tests „baldmöglichst.“ Eine offene Frist. Daran kann man sich kaum messen lassen. Solche Papiere sind sprachlich eine Kunst. Aber Unfähigkeit und Fehler lassen sich mit geschliffener Sprache und großen Wortschatz nicht verstecken.

Es wird Zeit, dass die Politik endlich die drängenden Probleme bekämpft, anstatt Ruhetage zu entwickeln, bei denen sie nicht mal weiß, was das rechtlich eigentlich genau bedeutet. Und wenn sie nicht weiß, wie man Tests beschafft, sollte sie mal bei Unternehmen in der freien Wirtschaft nachfragen. Wenn sie nicht weiß wie man einen EK (Einkaufspreis) ermittelt, in der Wirtschaft nachfragen. Auch beim Thema Logistik, Software usw. haben wir in der Wirtschaft viele gute Lösungen. Dafür braucht es keine Berater oder Gutachten usw.

Die Beschlüsse der MPK waren ein Offenbarungseid. Die Lösungen der Probleme, kennt die Politik. Sie scheint aber immer noch nicht in der Lage zu sein, die Probleme wirklich anzupacken. Es wird Zeit!

Link zum Meinungsbeitrag der Süddeutschen Zeitung:

https://www.sueddeutsche.de/meinung/corona-deutschland-merkel-meinung-1.5244093

Kommentar der Augsburger Allgemeinen:

https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Dieser-Gipfel-legt-die-Schwaechen-der-Corona-Politik-gnadenlos-offen-id59362376.html

Titelbild: Bild von Gerhard G. auf Pixabay