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Saisonrückblick II: Unter Schubert geht der Horror weiter

Endlich wieder eine sorgenlose Saison, ohne Trainerwechsel. Das war der Plan des FCI. Doch am neunten Spieltag hatte André Schubert seinen ersten Arbeitstag auf der Bank der Schanzer. Auf Schalke sollte das Ruder rumgerissen werden.

Zuvor rumorte es wieder ordentlich im Gebälk. Peter Jackwerth krempelte mal schnell die Sportliche Leitung um. Schubert kam als neuer Trainer, Florian Zehe musste als sportlicher Leiter seinen Hut nehmen, ebenso Trainer Roberto Pätzold. Den Trainerwechsel vollzog der FCI übrigens am Abend der Bundestagswahl. Fünf Minuten bevor die ersten Wahlergebnisse veröffentlicht waren und ich beim Wahl auszählen weilte, kam die Meldung der Schanzer.

Jackwerth gab es ein konfuses Interview. Er trug den Kurs mit jungen Spielern und Pätzold als Coach zwar mit, aber überzeugt war er jedenfalls nicht. Gleichermaßen räumte Jackwerth aber ein, dass ihm die Informationen fehle, um beurteilen zu können ob der Weg gescheitert sei.

Hier das Zitat aus dem Blog-Beitrag: „Jackwerth setzt die Axt an: Pätzold und Zehe müssen gehen, Schubert kommt“, vom 27. September 2021:

Bereits vor dem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf zählte Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratsvorsitzender Peter Jackwerth im Donaukurier, den Trainer Roberto Pätzold und den sportlichen Leiter Florian Zehe öffentlich an. Es war ein konfuses Interview. Jackwerth ließ Geschäftsführung und die sportliche Leitung „gewähren“, kritisierte aber gleichermaßen die späten Einkäufe bei den Spielern. Außerdem antwortete er auf die Frage, ob der neue Weg gescheitert sei, wenn Pätzold scheiterte: „Dafür fehlen mir noch die Informationen. Ich habe mich ganz bewusst herausgehalten.“ 

Jackwerth betonte, das er seine Kontakte nutzte um Schubert zu verpflichten. Denn er sei mit Schubert schon öfters in Kontakt gewesen.

Gegen Schalke 04 waren jedenfalls keine nennenswerten Verbesserungen zu erwarten. Die Abwehr präsentierte sich zwar lange stabil, aber am Ende setzte sich die Klasse der Königsblauen durch. Endstand: 3:0. Am 08. Oktober schlug dann der FCI, den 1. FC Nürnberg in einem Testspiel mit 7:0. Die Aufritte danach jedenfalls machten wenig Hoffnung, das sich der FCI aus dem Tabellenkeller sich kämpfen kann.

Gegen Holstein Kiel konnte ein Punkt erspielt werden (1:1), gegen Aue verlor die Mannschaft mit 1:0, in Dortmund im DFB-Pokal 2:0 und im Derby gegen Regensburg mit 3:0. Vor allem die leblose grauenhafte gegen Regensburg verschärfte die negative Stimmung an der Donau.

Regensburg hatte keine Mühen gegen defensiv wieder konfus auftretende Schanzer.

Vor allem gegen Dortmund gab Schubert ein sehr konfuses Bild ab. Das Pokal-Spiel in Dortmund wurde mehr oder weniger als Ausflug abgetan. Siegambitionen räumte man sich selbst keine an. Nachdem Spiel gab es Äußerungen, dass man doch froh sein, nicht in die Verlängerung gegangen zu sein. Das ist auch eine Auffassung von Leistungssport. Nämlich keine.

Gegen Paderborn zeigte der FCI eine gute Partie. Kutschke vergab aus elf Metern und Kaya machte in der 70. Minute mit seinem 2:1 nochmal Hoffnung. Doch letztlich ging die Seuchenserie gegen Angstgegner Paderborn weiter. Gegen den Karlsruher SC teilte man sich die Punkte. Die Schanzer waren zu diesem Zeitpunkt neun Spiele sieglos. Dies änderte sich auch nachdem Gastspiel beim HSV nicht. Der FCI war zwar engagiert und zweikampfstark, doch individuelle Fehler und Harakiri in der Abwehr verhinderten einen Punktgewinn. Am Ende setzte sich der HSV mit 3:0 deutlich durch.

Nach 15 Spieltagen stand der FCI mit mickrigen sechs Punkten am Tabellenende. Der Rückstand auf den Tabellen-17. – damals Sandhausen – betrug sechs Punkte. Der Rückstand auf den Relegationsplatz und ersten Nichtabstiegsplatz betrug acht Punkte. Neun Tore nach 15 Spielen sprachen eine klare Sprache. Und Aue befreite sich erstmals aus dem Keller und stand auf Platz 15.

Bremser im Mittelfeld. Außer den einen oder anderen schönen hohen Steilpass brachte Marc Stendera im Mittelfeld nicht viel zu Stande. Hier beschwert sich lachend Stendera über die Elfmeterentscheidung für Regensburg. Bilder: Roland Geier.

Vor dem Spiel in Rostock brach beim FCI die Corona-Seuche aus. Wie sich herausstellte wurden nochmal intensive Gespräche geführt mit Spielern, sich doch impfen zu lassen. Ein achtvolles 1:1 holte die Mannschaft im Ostseestadion, obwohl 15 Spieler fehlten! Aufgrund der zahlreichen Rostocker Chancen hätte der FCI aber eigentlich klar verlieren müssen.

Das 1:1 in Rostock war zugleich auch die Abschiedsvorstellung von André Schubert beim FCI. Der stets lächelnde und das positiv heraufschwörende Trainer verabschiedete sich mit einer Horror-Bilanz aus Ingolstadt. Lediglich drei von möglichen 24 Punkte holte Schubert. Und die drei Punkte waren drei Remis.

Selten verpuffte ein Trainerwechsel-Effekt so abrupt, wie bei Schubert.

Schubert geht damit mit einem Punkteschnitt von 0,33 Punkte pro Spiel, als schlechtester FCI-Coach in die Geschichte ein. Selbst der Schnitt von Alexander Nouri war 0,38 Punkte pro Spiel besser.

André Schuberts Niederlagenserie legte auch den Grundstein für den Abstieg, das ist klar. Da sich die Mannschaft unter Rüdiger Rehm auch nicht groß verbesserte, hätte wahrscheinlich nicht mal Jesus Christus den FCI auf Kurs gebracht.

Aber das Kapitel Rehm ist das dritte und letzte Kapitel des Rückblicks.

Saisonrückblick I: Der Klatschen-Auftakt und ein kurzes Kapitel Pätzold

Am 24. Juli 2021 startete der FCI mit einer 3:0-Niederlage in Dresden in die neue Zweitliga-Saison. Eine blutjunge und auch sehr unerfahrene Mannschaft kassierte eine herbe Klatsche. Mit dem 3:0 waren die Schanzer noch gut bedient. Bereits am ersten Spieltag deutete sich eine Seuche an, die dem FCI über die ganze Saison begleiten sollte: das Verletzungspech.

Acht Akteure fehlten Roberto Pätzold bei seinem Trainer-Profi-Debüt. Darum feierten Jalen Hawkins, Merlin Röhl, Filip Bilbija, Thomas Keller und Dennis Eckert Ayensa ihr Zweitliga-Debüt. Eine Klatsche zum Auftakt ist angesichts der damals vorherrschenden Personaldecke kein Beinbruch. Eine Woche später hatte das Team die Chance zur Wiedergutmachung. Diese Chance schien das Team auch zu nutzen. Der FCI ging einer engen Kiste in Führung. Doch ein Tor von Patrick Schmidt in der 73. Minute und ein 45-Meter-Schuss von Tim Kleindienst, sorgten dafür, dass die Schanzer auf ihren Dreier weiter warten mussten. Die Partie hatte bis zum Heidenheimer Doppelschlag der FCI aber weitestgehend im Griff.

Der scheinbare Befreiungsschlag folgte für die Schanzer dann im DFB-Pokal. Gegen Erzgebirge Aue sorgte Fatih Kaya in der 79. Minute für die Entscheidung zum 2:1. Der erste Saisonsieg war im Kasten, der Jubel war groß. Jetzt schien die Saison endlich zu starten.

Der vermeintliche Befreiungsschlag. Trainer Pätzold herzt den erfolgreichen Joker Fatih Kaya nachdem Sieg gegen Erzgebirge Aue im DFB-Pokal.

Doch es dauerte nur ein Spiel später, bis der FCI nicht nur einen Schritt zurück machte, sondern einen ganzen Weitsprung. Am Böllenfalltor überrollte Darmstadt die Schanzer. Darmstadt ging mit einer 4:0-Führung in die Kabine. Die Lilien erzielten drei Tore innerhalb von fünf Minuten Die Spieler waren stets einen Schritt zu spät, machten einfache Fehler und brachten nicht mal den kleinen Zeh ins Spiel. 6:1 stand es am Ende! Ein kreidebleicher Roberto Pätzold rang um eine Erklärung auf der Pressekonferenz.

Mit null Punkten stand der FCI auf dem 17. Platz. Nur Kiel war mit null erzielten Toren und ebenfalls null Punkten noch schlechter. Doch die Abwehr der Schanzer durfte sich nach drei Partien gleich mal den Titel: schlechteste Abwehr um den Hals hängen. Der Ergebnisdruck stieg allmählich.

Gegen den 1. FC Nürnberg stand am Ende ein 0:0 bei dem Nils Röseler und Denis Linsmayer (kamen aus Sandhausen) ihre Debüts feierten. Die Abwehr wirkte stabiler. Das torlose Remis war ein kleiner Schritt nach vorne.

Alle Fotos: Roland Geier

In Sandhausen platzte dann endlich der Knoten. Bilbija stocherte die Kugel über die Linie und Kaya sorgte kurz vor dem Ende für die Entscheidung. 2:0! Der erste Sieg! Sind die Schanzer jetzt nun wirklich stabil und in der Saison angekommen? Mitnichten.

Denn dann kam das Spiel gegen Werder Bremen daher. Einer der Favoriten auf den Aufstieg hatte aber letztlich keine Mühe in Ingolstadt. Antonitsch Eigentor brachte Werder in Führung, ehe Weiser und Duksch das Ergebnis nach oben schraubten. Insbesondere bei Weisers Treffer fragte man sich: Wo zur Hölle war die Abwehr? Er spazierte leichtfüßig durch den Sechszehner und konnte in aller Ruhe abschließen.

Die Abwehr war die größte Baustelle. Insbesondere bei Flankenbällen war das Team sehr verwundbar. Nach vorne wurde oft mit langen Bällen agiert, die aber selten Erfolg brachten. Einzig das Pressing setzte die Gegner häufig unter Druck. Doch das hohe Tempo konnte die Mannschaft selten halten.

Tempo, Genauigkeit und ein schnelles Umschaltspiel brachte der FC St. Pauli am Millerntor auf den Rasen. Zander, Dittgen, Burgstaller und Buchtmann erzielten die Treffer in einem Spiel, in dem jeden letztlich klar wurde: okay FCI – wenn das so weitergeht wird das wirklich ein sehr kurzes Zweitliga-Intermezzo. Die Kiezkicker überrollten den FCI regelrecht. Sie spielten schnell, direkt und überbrückten das Mittelfeld ohne Probleme. Klar war St. Pauli in einer großartigen Verfassung. Doch so darf man sich trotzdem nicht präsentieren.

Allmählich stieg der Leidensdruck. Nach sieben Spieltagen hatte der FCI vier Punkte auf dem Konto. Der FCI reihte sich auf Platz 17 mit 18 Gegentoren ein. Nur Aue stand noch hinter dem FCI.

Das Spiel gegen Düsseldorf wurde zum Schicksalsspiel von Roberto Pätzold. Der FCI spielte lustlos und so hatte die Fortuna nicht wirklich Mühe einen 2:1-Sieg einzufahren. Roberto Pätzold wurde daraufhin von seinen Aufgaben entbunden. Mit ihm musste auch Florian Zehe als Sportchef den Verein verlassen. Die erste große Personalrochade ließ also nicht lange auf sich warten.

Pätzold der 2018 gegen den Hamburger SV blutjunge Spieler auf den Platz schickte, war immer wieder im Gespräch als FCI-Cheftrainer. Von 2015 – 2021 trainierte er die U19. Er hatte also einige der jetzigen Profis schon als Jugendspieler unter seinen Fittichen. Er scheute sich nicht, jungen Profis in der 2. Liga die Chance zu geben. Doch letztlich scheiterte er mit seiner Spiel-Idee. Aber wie sich mittlerweile herausstellt auch am Kader. Denn trotz kurzfristiger Verstärkungen mit Christian Gebauer oder Patrick Schmidt konnte keine Stabilität der Leistungen erwirkt werden. Und nach der Pleite in Darmstadt machte sich auch eine gewisse Ratlosigkeit bei ihm breit, zumindest hatte man das Gefühl, wenn man seine Pressekonferenzen verfolgte.

Das scheinbare Experiment scheiterte und ein neues startete.